Pflegeheim-Suche leicht gemacht? Neuer Pflege-TÜV soll Schwächen und Stärken der Einrichtungen aufdecken

Von Tobias Schmidt | 20.03.2019, 17:01 Uhr

Mehr als 300 000 Pflegebedürftige pro Jahr suchen ein Heim. Der Pflege-TÜV, der bei der schwierigen Wahl helfen soll, hat bislang versagt. Jetzt werden die Heim-Zeugnisse reformiert, damit die Qualität der Einrichtungen klar zu erkennen ist. Der Pflege-Bevollmächtigte der Bundesregierung sieht darin einen Durchbruch.

Die bisherigen Gesamtnoten stützen sich auf die von den Heimen selbst dokumentierte Pflegearbeit. Auch Einrichtungen, in denen das Personal heillos überlastet ist und Bedürftige nicht angemessen betreut werden können, erhalten Traumnoten. Die Durchschnittsnote aller Heime In Niedersachsen: 1,2.

Dass das nichts bringt, räumte der "erweiterte Qualitätsausschuss Pflege" mit Vertretern von Kassen, Fachkräften und Pflegeanbietern nach jahrelangem Streit ein und einigte sich am Dienstagabend auf die Reform: Die Noten werden abgeschafft und durch ein dreistufiges Informationssystem ersetzt.

In Stufe 1 werden nicht mehr erbrachte Leistungen, sondern Indikatoren abgefragt. Hierunter fällt die zentrale Information, wie viele Bedürftige eine Pflegekraft betreut, was bislang nicht angegeben werden musste. Weitere Indikatoren: Wie viele Bewohner leiden an Druckgeschwüren oder verletzten sich in der Einrichtung? Wie häufig werden Patienten mit Gurten fixiert? Auch Angaben darüber, wie mobil die Bewohner bleiben, werden erhoben.

In Stufe 2 werden die Heime von Experten der Krankenkassen und Privatversicherungen kontrolliert. Geprüft wird etwa, wie die Bedürftigen nachts betreut werden oder die Wundversorgung aussieht.

Stufe 3 beinhaltet freiwillige Angaben der Heime. In der Rubrik können die Einrichtungen mit Hinweisen etwa auf veganes Essen, die Möglichkeit zum Probewohnen oder Fremdsprachenkenntnisse des Personals werben.

Mit den neuen Prüfungen soll im Herbst begonnen werden. Ab kommenden Frühjahr werden die Ergebnisse veröffentlicht. Bis dahin muss noch geklärt werden, wie die Resultate auf den Internetseiten der Krankenkassen letztlich dargestellt werden. Erwogen werden Sternchen-Tabellen wie etwa bei Bewertungen von Ferienwohnungen im Internet, oder eine Farbskala von grün bis rot.

"Wirklich aussagekräftig"?

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, sieht in der Pflege-TÜV-Reform einen Durchbruch: Endlich werde den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen "ein wirklich aussagekräftiges Bewertungssystem zur Verfügung stehen", sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Es werde dann möglich sein, "sich gut informiert für oder auch gegen eine Pflegeeinrichtung zu entscheiden“.

Die Umsetzung erfordere zwar „eine große Kraftanstrengung und einen hohen Einsatz von den Mitarbeitern“, sagte Westerfellhaus. „Ich bin mir aber sicher, dass das neue System bald auch zu einer besseren Arbeitszufriedenheit führen wird, da es das einrichtungsinterne Qualitätsmanagement verändern wird.“

Deutlich kritischer urteilen Patientenschützer: Ohne aussagefähige Gesamtnote und K.O.-Kriterien bleibe fraglich, ob Bedürftige die verschiedenen Heime wirklich einfach vergleichen könnten, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. "Wer aber bei der Schmerztherapie, der Wundversorgung, dem Umgang mit Fixierung oder der Medikamentengabe durchfällt, darf nur die Note 6 bekommen."