Neuer Lucke-Partei droht Ärger Gehen Alfa und ALfa gegen ALFA vor?

Von Melanie Heike Schmidt | 21.07.2015, 08:00 Uhr

Wie ärgerlich: Da gründet Ex-AfD-Bundessprecher Bernd Lucke eine neue Partei – und statt politisch durchzustarten, gibt es erst einmal Ärger um den Namen. Obendrein bezweifelt Forsa-Chef Manfred Güllner im Gespräch mit unserer Redaktion, dass die Lucke-Partei bei Wahlen Erfolg haben wird.

ALFA heißt die am Sonntag in Kassel aus der Taufe gehobene Gruppe, das ist die Abkürzung für „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“. Doch was schmissig klingt, könnte ein böses Nachspiel haben. Sowohl der Autobauer Alfa Romeo Deutschland als auch die Organisation „Aktion Lebensrecht für Alle“, abgekürzt ALfa, prüfen, ob sie Schritte gegen den Namen der jungen Partei einleitet. Die Pressestelle von Alfa Romeo Deutschland erklärte auf Nachfrage unserer Redaktion, man habe die Frage an die Konzernzentrale in Turin geleitet, um zu prüfen, ob und wie man gegebenenfalls gegen die Namensgebung vorgehen müsse. Man warte noch auf eine Antwort, so der zuständige Pressesprecher Sascha Wolfinger am Montagnachmittag. Er sei selbst „überrascht“ gewesen, als er von der Namensgebung der neuen Partei gehört habe.

Die Bundesvorsitzende der Lebensschutzorganisation ALfa, die sich für das uneingeschränkte Lebensrecht jedes Menschen einsetzt, will laut „Zeit online“ mögliche rechtliche Schritte prüfen.

Hervorgegangen aus dem AfD-Führungsstreit

Bernd Lucke hatte die neue Partei mit Mitstreitern des Vereins „Weckruf 2015“ initiiert, nachdem er auf dem Essener Parteitag der Alternative für Deutschland (AfD) eine herbe Niederlage für seinen liberal-konservativen Kurs einstecken musste. Neue Vorsitzende der AfD wurde Frauke Petry vom nationalkonservativen Flügel.

Forsa-Chef: Lichtjahre von Fünf-Prozent-Hürde entfernt

Dass die neue Lucke-Partei ALFA bei Wahlen über die in Deutschland geltende Fünf-Prozent-Hürde kommen kann, bezweifelt Forsa-Chef Manfred Güllner. In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Güllner: „Die neue Lucke-Partei ist gewissermaßen eine Abspaltung von der Abspaltung . Da fragt man sich: Welches Klientel kann diese Partei ansprechen, dessen Themen nicht schon längst von anderen besetzt wären?“ Für eine liberale Politik gebe es in Deutschland bereits eine Partei, so der Forsa-Geschäftsführer weiter. „Und das ist die FDP.“

Überdies seien die liberal-konservativen Anhänger der AfD, die Lucke mitzunehmen hoffe, auch schon unter AfD-Mitgliedern und Wählern eine Minderheit von höchstens zehn oder 20 Prozent gewesen, erläuterte Güllner. Von dieser Minderheit würden auch längst nicht alle Lucke weiterhin folgen, fügte er hinzu. „Damit ist die neue Lucke-Partei von dem Erreichen der Fünf-Prozent-Hürde Lichtjahre entfernt“, so der Meinungsforscher.

Güllner: Lucke fährt Zickzackkurs

Unterm Strich vollziehe Lucke einen „Zickzackkurs“, kritisierte Güllner. Zuerst habe er als AfD-Bundessprecher explizit das rechtsradikale Milieu angesprochen und in die AfD gelockt. So habe er beispielsweise im Wahlkampf in Sachsen gezielt NPD-Themen in seinen Reden aufgegriffen. „Und als die Geister, die er rief, sich gegen ihn gewendet haben, hat er sich entzogen und eine neue Partei gegründet, die sich nun bewusst von rechten Tendenzen fernhalten will.“ Derlei Wendungen weckten bei Wählern in der Regel wenig Vertrauen, so der Forsa-Chef.