Pflege-Reform Neuer Heim-TÜV könnte zu Zwei-Klassen-Pflege führen

Meinung – Tobias Schmidt | 20.03.2019, 18:45 Uhr

Lange haben sich Heimbetreiber gegen eine transparente Bewertung gewehrt, die Bedürftigen und ihren Familien die Suche nach einem guten Heim ermöglicht. Die derzeitigen Traumnoten sind eine Farce und verdecken, dass in manchen Einrichtungen unwürdige Verhältnisse herrschen - für Bewohner und Pfleger.

Die Einigung auf einen neuen Pflege-TÜV, der die Realität ungeschönt offenlegt, ist ein großer Fortschritt. Die Abschaffung der Gesamtnote darf aber nicht zu neuer Verwirrung führen. Nur, wenn das Indikatoren-System so dargestellt wird, dass Heim-Sucher „Schwarze Schafe“ unter den Einrichtungen erkennen und ein für sie passendes Haus finden, kann die Reform weiterhelfen.

Die meisten Betroffenen dürften allerdings nur dann profitieren, wenn zwei weitere Bedingungen erfüllt werden: Betreiber müssen ausreichend Personal finden und bezahlen können, um bei der strengeren Bewertung eine Chance zu haben. Und Häuser, die gut abschneiden, müssen bezahlbar bleiben.

Sollten die Zuzahlungen für Heimunterbringungen ungebremst weiter steigen und die Personalnot noch akuter werden, dann wird der neue Pflege-TÜV zum Turbo in Richtung Zwei-Klassen-Pflege: Auf der einen Seite Vorzeige-Heime mit zahlungskräftigen Bewohnern, auf der anderen Seite schlecht bewertete Einrichtungen mit vernachlässigten Bedürftigen und überforderten Pflegern. In Sachen Pflegefinanzierung und Fachkräftemangel stehen enorme Herausforderungen bevor.