Nach Terror-Tweet zu Paris Hart aber fair: Wo war eigentlich Markus Söder?

Von Dirk Fisser | 17.11.2015, 00:39 Uhr

„Terror gegen die Freiheit – wie verteidigen wir unsere Werte“ wollte Frank Plasberg am Montagabend bei „Hart aber fair“ nach den Terroranschlägen in Paris von seinen Gästen wissen. Es war in weiten Teilen eine Sendung über Markus Söder ohne Markus Söder. Dafür aber mit zu viel Burka.

Der bayrische Finanzminister hatte am Samstag, einen halben Tag nach den Anschlägen, getwittert: „#ParisAttacks ändert alles. Wir dürfen keine illegale und unkontrollierte Zuwanderung zulassen.“ In einem Interview legte er später noch nach. Das wurde als offener Angriff auf die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewertet. Söders Chef, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, musste seinen Minister zur Räson rufen. Am Montag wandten sich auf einer CSU-Vorstandssitzung weitere Christsoziale gegen eine Vermischung von Flüchtlingsproblematik und Terror. (Weiterlesen: Neuer Asylstreit in der Koalition nach Anschlägen von Paris) 

Von Söder keine Spur

Nun sollte der so düpierte Söder laut ARD-Ankündigung am Montag eigentlich bei „Hart aber fair“ auftreten. Zuvor war noch kurzfristig das Diskussionsthema von Volkswagen zu Terror gewechselt worden. Doch anstelle des bayrischen Finanzministers nahm dann plötzlich die bayrische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner im Studio Platz. Von Söder keine Spur. Fragen besorgter Zuschauer, wo denn der CSU-Politiker sei, ließ die Talkshow-Redaktion auf den sonst so gepflegten Socialmedia-Kanälen unbeantwortet.

Statt Söder also Aigner. Weniger schrill, aber auch nicht weniger vehement als ihr Kollege sprach sich die ehemalige Bundesministerin dafür aus, die Grenzkontrollen zu verbessern. Tenor: Deutschland müsse wissen, wer da ins Land komme.

Alle gegen Aigner

Die restlichen Gäste wie etwa Fast-Bundespräsidentin Gesine Schwan oder Altbischof Wolfgang Huber aber auch Moderator Plasberg zeigten auf, dass dies zumindest schwer werden dürfte, wenn sich Deutschland nicht mit einem Zaun abschotten wolle. Schwan etwa verwies darauf, dass die Terroristen im Falle Frankreichs zum überwiegenden Teil „aus Brutstätten des Hasses in Europa“ stammten, bessere Grenzkontrollen also kaum den Anschlag verhindert hätten. (Weiterlesen: Wer waren die Attentäter von Paris? Eine Übersicht) 

Und notfalls eine bayrische Grenzpolizei…

Aigner jedoch hielt an ihrer Meinung und der CSU-Parteilinie fest: Es sei die Kernkompetenz eines Landes, die Sicherheit zu garantieren. Und dann sagte sie einen bemerkenswerten Satz, der in der Diskussion fast unterging: Notfalls werde ihr Bundesland die bayrische Grenzpolizei wieder aufleben lassen. Die war 1998 eigentlich aufgelöst worden.

Krieg oder Nicht-Krieg? Staat oder Nicht-Staat?

Schon zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Diskussion weit vom eigentlichen Kernthema entfernt: den Auswirkungen der Anschläge in Paris. Abgesehen von einem kleinen Exkurs darüber, ob man den „Islamischen Staat“ nun Staat nennen dürfe – also ganz ohne Anführungszeichen – und ob das nun ein Krieg gegen den IS sei, an dem sich Deutschland beteiligen müssen, dominierte unerwarteterweise die Burka den Rest der Sendung.

Burka, Terror, Islam

Soll der Ganzkörperschleier nun verboten werden oder nicht? Eine Diskussion, die immer wieder in den vergangenen Jahren in Deutschland hochkochte. Übrigens auch das eine oder andere Mal befeuert durch Markus Söder. Weil die Diskussion nun ausgerechnet in der ARD-Sendung zu den Terroranschlägen aufkam, wurden nicht nur die Flüchtlinge mit dem Terror von Paris, sondern auch die Religion Islam mit den Anschlägen in Verbindung gebracht. Was das mit der Verteidigung „unserer“ Werte zu tun haben sollte, blieb ungeklärt.

Am Dienstagabend könnte es Plasberg-Kollegin Sandra Maischberger mit der nächsten Terror-Talkshow in der ARD besser machen: Ab 22.45 Uhr greift Maischberger den Söder-Tweet auf und fragt: „Die Kriegserklärung: Ändert Paris wirklich alles?“ Nicht eingeladen ist der Stichwortgeber selbst. Aber vielleicht ändert sich ja auch das noch kurzfristig…