Krieg in der Ukraine MSC-Chef Heusgen befürwortet Stationierung deutscher Patriots in der Ukraine

Von Thomas Ludwig | 02.12.2022, 13:12 Uhr

Der Leiter der Münchner Sichereitskonferenz, Christoph Heusgen, befürwortet die Stationierung deutscher Flugabwehrbatterien vom Typ Patriot in der Ukraine. Auch eine mögliche Mitgliedschaft der Ukraine in der Nato solle man nicht mehr kategorisch ausschließen.

Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC), Christoph Heusgen, hat sich für eine mögliche Stationierung deutscher Flugabwehrbatterien vom Typ Patriot in der Ukraine ausgesprochen. „Die Stationierung von deutschen Patriot-Flugabwehrsystemen in der Ukraine sollte nicht von vornherein ausgeschlossen werden“, sagte Heusgen im Interview mit unserer Redaktion. Er betonte: „Die Systeme sind grundsätzlich auch von Ukrainern zu bedienen. Und als reine Abwehrwaffe würde sie wirklich zum Schutz der Ukraine beitragen und so natürlich auch Polens“. 

Angebot nach Raketeneinschlag auf polnischem Boden

Die Bundesregierung hatte dem Nato-Partner Polen Flugabwehrbatterien vom Typ Patriot zur Sicherung seines Luftraums angeboten, nachdem Mitte November eine Rakete auf polnischem Gebiet eingeschlagen war. Das hatte Sorgen vor einem Bündnisfall geweckt. Warschau hält indes eine Stationierung der angebotenen Patriots auf ukrainischem Boden für sinnvoller.

MSC-Chef Heusgen wies darauf hin, wie wichtig es sei, bei solchen Zwischenfällen „einen nüchternen Kopf und die Nerven zu bewahren. Das hat das Nato-Bündnis getan“.

Im Interview mit unserer Redaktion sprach sich Heusgen auch für ein Umdenken hinsichtlich einer Nato-Mitgliedschaft der Ukraine aus. „Anders als 2008 sollte man einen Nato-Beitritt der Ukraine nicht mehr kategorisch ausschließen - nach einem möglichen Friedensschluss. Denn Russlands Aggressivität und die Erfahrung, dass es sich nicht an Vereinbarungen hält, beispielsweise an die abgegebene Garantie zur territorialen Integrität der Ukraine, müssen zum Umdenken anregen“, sagte der MSC-Chef und ehemalige außenpolitische Berater von Ex-Kanzlerin Angela Merkel. 

Heusgen betonte: „Wer garantiert, dass Russland auch nach einem Friedensschluss nach ein paar Jahren der Pause und erneuter Aufrüstung die Ukraine nicht wieder angreift? Ein Nato-Beitritt der Ukraine erhöhte den Preis dramatisch, den Moskau für ein solches Vorgehen zahlen müsste“.

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