Migranten in Deutschland Herausforderung Integration: Was wirklich zählt

Meinung – Uwe Westdörp | 29.12.2015, 19:08 Uhr

Wie können die vielen Flüchtlinge besser in die deutsche Gesellschaft eingegliedert werden? CDU und CSU fordern eine gesetzliche Pflicht zu Deutschkursen und ein formelles Werte-Bekenntnis - aber es gibt noch wichtigere Aufgaben.

Als wenn eine Unterschrift unter eine Integrationsvereinbarung viel verändern würde. Von einer schriftlichen Verpflichtung, wie CDU und CSU sie jetzt fordern, ist kein großer Nutzen zu erwarten. Maximal mag sie als Beruhigungspille für jene dienen, die Überfremdung fürchten.

Fest steht: Das Erlernen der deutschen Sprache und die Beachtung von Werten und Normen sind Selbstverständlichkeiten. Das muss jedem Migranten klargemacht werden. Doch wird niemand einfach per Verordnung ein guter Mitbürger. Besser ist es, die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für die Eingliederung nachhaltig zu verbessern. Was wirklich zählt, sind Sprachkurse in ausreichender Zahl, zusätzliche Lehrer, mehr Kita-Plätze, neue Ausbildungsstellen, Qualifizierungschancen und Jobangebote. Und es ist die Bereitschaft aller, offen aufeinander zuzugehen und voneinander zu lernen.

Auf einer solchen Basis wird eine neue Gesellschaft entstehen, in der das meiste bleibt, wie es ist, sich aber auch manches ändert. Deutschland wird womöglich ein wenig konfliktreicher, dafür aber auch bunter und reicher an Menschen. Um seine politische und kulturelle Identität muss das Land aber nicht fürchten, da die meisten Flüchtlinge eindeutig bereit sind, sich zu integrieren.