Mehr Studierende ins Ausland Kabinett verstärkt internationale Wissenschaftspolitik

Von dpa | 01.02.2017, 14:04 Uhr

Fast zehn Jahre ist es her, dass Deutschland - auch damals unter Schwarz-Rot - seine Wissenschaftspolitik per Regierungsstrategie verstärkt international ausrichtete. Nun schreibt das Kabinett diesen Fahrplan mit einigen neuen Akzenten fort.

Austausch statt Abschottung: Die Bundesregierung will die internationale Zusammenarbeit bei Bildung und Forschung weiter vorantreiben, um Deutschland für die „globale Wissensgesellschaft“ fit zu machen. Ein entsprechendes Strategiepapier, das einen ersten Impuls von 2008 aufgreift und weiterentwickelt, verabschiedete am Mittwoch das Kabinett in Berlin.

„Wir setzen darauf, dass gerade internationale Aufgeschlossenheit und Kooperation Deutschland als Forschungs- und Innovationsstandort stärken“, erklärte Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU). „Wir leben in einer vernetzen Welt, die Digitalisierung beschleunigt diese Entwicklungen rasant.“ Dies berge „enormes Potenzial - wenn man sie richtig nutzt. Hierfür schaffen wir die Voraussetzungen.“

Zu den fünf „handlungsleitenden Zielen“ der Regierung gehört erstmals auch der internationale Ausbau von Berufsbildung und Qualifizierung. Deutschland habe mit seinem dualen Ausbildungssystem von Betrieben und Berufsschulen einen Exportschlager zu bieten, heißt es im Ministerium. Wichtig sei auch, „Schwellen- und Entwicklungsländer verstärkt als Partner (...) einzubinden“. So werde das Ministerium allein dieses Jahr rund 41 Millionen Euro für den Aufbau nachhaltiger Forschungs- und Bildungskapazitäten in Subsahara-Afrika investieren.

90 Prozent des globalen Wissens entstehen außerhalb Deutschlands

Die „Internationalisierungsstrategie“ der Regierung verweist darauf, dass die öffentlichen Bildungsausgaben in Deutschland von 2008 bis 2015 um ein Drittel auf fast 124 Milliarden Euro gestiegen seien. In dieser Legislaturperiode habe der Bund zusätzlich neun Milliarden Euro für Bildung und Forschung bereitgestellt. „Diese Investitionen ermöglichen es Deutschland, auch im globalen Wettbewerb unter den führenden Nationen zu bleiben“, heißt es in dem 110-seitigen Bericht.

Mehr als 90 Prozent des globalen Wissens entstehen nach Angaben des Ministeriums außerhalb Deutschlands. „Für Deutschland ist es als Hightech-Standort zentral, in weltweite Wissensflüsse und Wertschöpfungsketten integriert zu sein.“ Zwischen 2009 und 2015 hätten sich die Zuschüsse des Bundesforschungsministeriums für international vernetzte Vorhaben daher mehr als verdoppelt.

Die Regierung betont aber neben wirtschaftlichen Vorteilen auch die Verantwortung Deutschlands in der Welt: „Globale Herausforderungen wie Klimawandel, Gesundheit und Ernährungssicherheit machen nicht an Ländergrenzen halt.“ Nur im Rahmen „gemeinsamer länderübergreifender Anstrengungen auf europäischer und internationaler Ebene“ ließen sich diese Herausforderungen meistern.

Jeder zweite Studierende soll zeitweise ins Ausland

Die Bundesbildungsministerin will darüber hinaus die Auslandsmobilität von Studenten und Lehrlingen weiter ausbauen. Zwar sei das bis 2020 angepeilte Ziel von Bund und Ländern, wonach jeder zweite Studierende zeitweise ins Ausland gehen sollte, „sehr ehrgeizig“, sagte Wanke im Vorfeld. Sie betonte aber: „Vom 50-Prozent-Ziel sind keine Abstriche zu machen. Wir sind da sehr gut aufgestellt.“ Derzeit liegt die Quote bei 37 Prozent.

Die Erfolgskurve sei „zuletzt sogar erfreulicher als erwartet“ verlaufen, sagte die Ministerin. Mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) „haben wir die Möglichkeit, über finanzielle Mittel und neue Programme auf die Bedarfe junger Wissenschaftler zu reagieren“, so Wanka. Über Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) werbe man zudem verstärkt für Möglichkeiten von Mobilität bei Azubis.

„Die Anerkennung der Studienleistungen aus dem Ausland an der Heimathochschule ist besonders wichtig, damit der Aufenthalt am Ende für die Studierenden nicht als „verlorene Zeit“ wahrgenommen wird“, erklärte Wanka. „Hier beobachten wir in den letzten Jahren viele Verbesserungen, aber trotzdem liegen noch Hausaufgaben bei den Hochschulen. Je besser die gelöst werden, desto größer ist die Bereitschaft zur Mobilität.“

„Kein gutes Beispiel“

Die Präsidentin des DAAD, Margret Wintermantel, sagte: „Junge Menschen, die keine Scheu haben, in andere Länder zu gehen, und dort studieren, entwickeln Verständnis und Sympathie für andere Kulturen und deren Eigenheiten.“ Dies müsse auch weiter massiv gefördert werden. Um Herausforderungen wie Klimawandel, soziale Ungleichheit, steigende Energiebedarfe oder Digitalisierung erfolgreich begegnen zu können, sei „transnationale Kooperation“ dringend erforderlich.

Für die Grünen im Bundestag monierte Hochschulexperte Kai Gehring: „Die Öffentlichkeit muss sich mit ihren Erwartungen und Bedürfnissen in die Erforschung der globalen Herausforderungen einbringen können. Hierfür war die Erstellung der Internationalisierungsstrategie kein gutes Beispiel, denn sie ist ohne Beteiligung von Parlament und Öffentlichkeit erfolgt.“