Martin Sonneborn, was wollen Sie im EU-Parlament bewirken? „Die Partei“ siegt in Brüssel - Ein Interview

Von Daniel Benedict | 26.05.2014, 19:59 Uhr

Martin Sonneborn zieht für die Partei „Die Partei“ ins EU-Parlament ein. Im Interview kündigt er die „Fraktion der Spinner und Verhaltensauffälligen“ an und erklärt, was es mit der MS-Herrschaft über Europa auf sich hat.

Martin Sonneborn, Vorsitzender der Satire-Partei „Die Partei“, wird EU-Parlamentarier. Im Interview erklärt der in Osnabrück aufgewachsene Wahlsieger seine politischen Ziele:

Was will „ Die Partei“ in Brüssel bewirken?

Nichts. Als fraktionslose Ein-Mann-Partei hat man da wenig auszurichten. Ich werde mich vom ersten Tag an auf meinen Rücktritt vorbereiten, und der erfolgt nach genau einem Monat ...

Wie sieht das angekündigte Rotationsprinzip aus?

Wir wechseln monatlich durch Rücktritt. Eine Liste mit 60 Kandidaten steht bereit, alles verdiente Kader, die sich als Belohnung für ihre PARTEI-Arbeit jetzt einen Urlaubsmonat in Brüssel machen dürfen, mit 33000 Euro Taschengeld und anderen Annehmlichkeiten.

Die EU-Bürokratie gilt als komplex. Haben Sie Ihre zukünftigen Rechte und Pflichten schon vollständig verstanden?

Nein, aber unser furchtbarer PARTEI-Jurist versteht alles.

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Welches Europa-politische Thema liegt Ihnen besonders am Herzen?

Wir wollen die deutsche Vormachtstellung weiter ausbauen. Die Europäische Idee ist ja älter als viele Ihrer Leser denken, schön formuliert hat sie z.B. Sturmbannführer Wirsing um 1940 herum.

Um welchen Faktor übersteigen Ihre Bezüge als EU-Parlamentarier ihr bisheriges Einkommen?

Das kann ich nicht sagen, ich war noch nie irgendwo angestellt, und mein Einkommen ist stark schwankend.

Die Arbeit für oder gegen Europa bedeutet lange dienstliche Abwesenheiten von Frau und Kind. Wie meistern Sie die Aufgaben als zweifacher Vater?

Sie haben Recht, 18 Arbeitstage im Jahr sind nicht ohne. Aber es ist ja gut dotiert.

„Beleidigungen erst am Ende“: Hier lesen Sie, wie Sonneborn unsere Interviewtechnik verbessert.

Wo sieht „Die Partei“ mögliche Bündnispartner?

Wir werden versuchen, eine Fraktion der Spinner und Verhaltensauffälligen zu gründen. Das wird vermutlich nicht die unbedeutendste sein.

Bislang hat „Die Partei“ kommunale Mandate in Lübeck, Dollnstein und Essen erlangt. Nun gehen Sie nach Brüssel. Welches ist der größere Erfolg?

Auf jeden Fall Dollnstein. In Bayern etwas gegen die CSU zu gewinnen ist relativ schwierig.

Haben Sie Angst davor, die ironische Grundhaltung im Alltag nicht durchhalten zu können? Zum Beispiel bei Abstimmungen, die Ihnen wirklich etwas bedeuten?

Solange ich nicht das Zünglein an der Waage bin, oder EU-Kommissionspräsident, ist das kein Problem. Kommissionspräsident? Sie bringen mich auf eine gute Idee. Martin Schulz schafft es eh nicht, und ich glaube, Europa ist trotzdem reif für ein MS-Regime.

Die Partei legt sich gern mit rechten Politikern an. Ist das EU-Parlament mit seinen vielen Rechtspopulisten, denen Sie noch völlig unbekannt sind, auch künstlerisch ein ergiebiges Feld?

Das kann ich nicht sagen.

Sylvana Koch-Mehrin, ehemals Vize-Präsidentin des EU-Parlaments, hat ihre Kollegen einst als habituelle Bordellbesucher geschmäht. Womit wollen Sie die Parlamentarier noch erschrecken, wenn schon die nicht-satirische Debatte solche Töne anschlägt?

Wir wollen doch niemanden erschrecken! Wir wollen nur spielen. Gut bezahlt.

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