Um Ihre Registrierung abzuschließen, gehen Sie in Ihr E-Mail-Postfach und folgen dem Link in der Bestätigungsmail. Danach können Sie den Artikel frei lesen. E-Mail erneut senden

Nach Angriff der Hamas auf Israel Lehrer-Chef beunruhigt: Immer mehr Schüler mit antisemitischem Weltbild

Von Dirk Fisser | 13.10.2023, 06:32 Uhr

Wie alltäglich ist der Antisemitismus an Schulen in Deutschland? Stefan Düll, Chef des Deutschen Lehrerverbandes, sagt: Die Lage werde immer angespannter. Dort, wo die AfD stark sei oder viele Schüler mit arabischen Wurzeln lebten, seien die Probleme groß.

An deutschen Schulen nimmt der offen geäußerte Antisemitismus zu. Stefan Düll, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes, sagte unserer Redaktion: „Die Lage wird regional immer angespannter. Das gilt besonders für solche Schulen, an denen viele Schüler mit Wurzeln im arabischen Raum unterrichtet werden.” Häufig herrsche hier ein gefestigtes antisemitisches Weltbild, das die Kinder und Jugendlichen zu Hause oder in den Schulen ihrer Heimatländer vermittelt bekommen hätten.

Auch interessant: Nach Einsatz an Schule in MV: Das stand in den mutmaßlich rechten Posts der Schülerin

Wenn Israel und Juden als Feind gesehen werden

„Israel und jüdische Menschen allgemein werden konsequent als Feind und als Bedrohung dargestellt. Das glauben die Heranwachsenden und bringen dieses Weltbild mit in die Schulen”, sagte Düll. Ein großes Problem seien zudem soziale Netzwerke. „Dort wird Antisemitismus vielfach offen aus- und vorgelebt. Die Kinder bewegen sich schnell in einem antisemitischen und israelfeindlichen Mikrokosmos. Da haben es Lehrkräfte schwer vorzudringen.”

Antisemitismus sei aber nicht nur dort ein Problem, wo der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund oder muslimischen Glaubens hoch sei, so Düll. „Wir beobachten auch: Wo rechte Parteien wie die AfD bei Wahlen gut abschneiden, ist auch der Anteil an Schülern mit antisemitischen oder rassistischen Überzeugungen höher.” Die Kinder und Jugendlichen übernehmen offenbar die Überzeugungen von den Eltern.

Lehrer-Chef: Jüdische Schüler an deutschen Schulen sicher

Düll warnte vor zu hohen Erwartungen an Schulen: „Nicht alle gesellschaftlichen Probleme können im Unterricht gelöst werden.” Grundsätzlich sei es aber so, dass Lehrkräfte in ihrer Ausbildung auf die Begegnung mit menschenverachtenden Äußerungen vorbereitet würden. Zudem werden Fortbildungen angeboten. „Schulen in Deutschland sind für jüdische Schülerinnen und Schüler ein sicherer Ort. Dafür sorgen die Lehrkräfte. Sie benötigen dafür aber auch die Unterstützung aller gesellschaftlichen Kräfte.”

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, befürchtet nach dem Großangriff der islamistischen Hamas auf Israel wachsende anti-israelische Tendenzen an Schulen. „Ich habe die große Sorge, je weiter auch die israelische Antwort auf diesen terroristischen Anschlag voranschreitet, dass sich die Stimmung in den Schulen deutlich gegen Israel wenden wird“, sagte Klein. „Bereits jetzt gibt es ja schockierende Nachrichten von Schulen, wo sich Schüler palästinensische Fahnen umlegen, also diesen Konflikt in die Schulen hereintragen wollen.“ Das werde möglicherweise noch zunehmen.

Palästinenser-Flagge: Auseinandersetzung in Berlin

An einem Gymnasium in Berlin-Neukölln war es am Montag zu einem Vorfall im Zusammenhang mit dem Israel-Konflikt gekommen. Ein Schüler war mit einer Palästina-Fahne erschienen, woraufhin es eine gewaltsame Auseinandersetzung mit einem Lehrer gab. Eltern planten daraufhin eine Demonstration, die von der Polizei verboten wurde, weil sie die Gefahr volksverhetzender, antisemitischer Ausrufe sah. Nach dem Verbot wurden dort laut Polizei israelfeindliche Flugblätter verteilt. (mit dpa)

Weiterlesen: Lehrer-Präsident warnt: Immer mehr Schüler teilen gesellschaftliche Grundwerte nicht

Mehr zum Schwerpunkt Migration

größer alsGrößer als Zeichen
größer alsGrößer als Zeichen