Kommentar Landtagswahl in Bayern: Volksparteien rutschen weiter ab

Meinung – Ralf Geisenhanslüke | 15.10.2018, 00:30 Uhr

Bei der Landtagswahl in Bayern hat die erfolgsverwöhnte CSU am Sonntag dramatische zweistellige Verluste hinnehmen müssen und ihre absolute Mehrheit verloren. Ein Kommentar.

Der Absturz auf etwa 37 Prozent und der Verlust der Alleinregierung in Bayern sind für die CSU ein Desaster. Es ist das zweitschlechteste Ergebnis in der christ-sozialen Geschichte. Die Schuldigen sind schnell ausgemacht: Markus Söder, der unbeliebteste Ministerpräsident in Deutschland, mit seinem Schlingerkurs im Wahlkampf, die von Angela Merkel geführte Koalitions-Bundesregierung und vor allem der Parteivorsitzende Horst Seehofer mit seinem präsenilen Starrkopf-Verhalten in Berlin. Auch die SPD hat ihre Quittung für die saft- und kraftlose Regierungsarbeit in Berlin bekommen und sich zur Bedeutungslosigkeit halbiert. Die Grünen haben die personelle Erneuerung bundesweit und in Bayern ernst genommen und als nun zweistärkste Kraft davon profitiert. Sie sind mit gut 18 Prozent die Gewinner der Bayern-Wahl.

Auch wenn die Ergebnisse gerade für die CSU und SPD dramatisch schlecht sind, so liegt die Bayern-Wahl grundsätzlich im Trend der gesellschaftspolitischen Entwicklung in Deutschland und Europa. Sie ist kein einmaliger Ausrutscher von historischer Dimension, sondern eine sich fortsetzende Entwicklung. Die Mitte der Gesellschaft wählt nicht mehr überwiegend die großen Volksparteien, für die sich zukünftig nicht mehr als 15 bis 25 Prozent der Wähler entscheiden werden. Die Mitte hat sich diversifiziert und wird in Bayern von den Grünen, den Freien Wählern und der gerupften CSU gebildet. Die SPD könnte man dazu zählen, sie spielt aber in Bayern keine Rolle mehr. An den rechten und linken Rändern haben AfD und Linke nicht von den Verlusten von CSU und SPD profitiert.