Kundgebung gegen Salafismus Köln: Polizei setzt Wasserwerfer gegen Hooligan-Demo ein

26.10.2014, 18:08 Uhr

dpa/kfr Köln. Mehrere Tausend gewaltbereite Fußballfans und Rechtsextreme demonstrieren in Köln am Sonntagnachmittag gegen Salafismus. Auf dem Zug durch die Innenstadt kam es zu Ausschreitungen. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Pfefferspray, Schlagstöcke – und Musik von Helene Fischer gegen die Demonstranten ein.

Die Polizei hat am Sonntag mit einem massiven Einsatz auf Ausschreitungen bei einer Hooligan-Kundgebung gegen Salafisten in Köln reagiert. Beamte seien mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen worden, sagte ein Polizeisprecher. „Dagegen sind wir vorgegangen.“ Ein Einsatzfahrzeug der Polizei wurde von den Demonstranten auf die Seite geworfen. In einer ersten Bilanz meldet die Polizei: Sechs Festnahmen, 14 Verletzte, 13 von ihnen sind Polizisten. Eine solche Eskalation der Gewalt habe es in NRW lange nicht gegeben, meinte ein Beamter. „Sowas kennt man aus Berlin oder Hamburg – aber eigentlich nicht aus Nordrhein-Westfalen.“ Die Straßenschlachten werden nach Angaben von Reportern des Kölner Stadtanzeigers auch in den Abendstunden noch fortgeführt. „Unfassbare Szenen vor dem Kölner Hauptbahnhof. Die aggressiven, stark betrunkenen Demonstranten gehen weiter auf die Polizisten los. Auf dem Breslauer Platz sind die Wasserwerfer im Einsatz“, schreibt die Zeitung. Auch die Reporter des Kölner „Express“ sind Zeugen der Auseinandersetzung – und der ungewöhnlichen Deeskalationsmethoden der Polizei. „Man will es eigentlich gar nicht glauben: Die Polizei spielt zur Deeskalation „Atemlos“ von Helene Fischer. Kein Scherz! Eine langsame Piano-Version des Schlagers schallt aus den Boxen“, meldet das Boulevardblatt in seinem Live-Ticker.

Mindestens 2500 als gewaltbereit geltende Hooligans hatten sich am Sonntagnachmittag versammelt, um gegen Islamisten zu demonstrieren. Die Teilnehmer waren nach Angaben der Bundespolizei teilweise von weither angereist. Schon vor Beginn der offiziell angemeldeten Demonstration wurden am Kölner Hauptbahnhof „Ausländer-raus“-Rufe angestimmt. Zugleich kamen rund 500 Teilnehmer zu einer Gegendemonstration – unter ihnen war die Kölschband Brings. Mehrfach hatten die Demonstrations-Teilnehmer versucht, zu den Gegendemonstranten durchzubrechen, wurden aber von der Polizei daran gehindert. Die war mit einem Großaufgebot von rund 1000 Einsatzkräften vor Ort.

Als die Hooligans durch die Stadt zogen, kam es zu den heftigen Ausschreitungen am Ebertplatz. „Wir haben jetzt im Moment Pfefferspray, Schlagstöcke und Wasserwerfer im Einsatz und versuchen, die Lage etwas unter Kontrolle zu kriegen“, sagte ein Sprecher der Polizei. Wenig später eskalierte die Lage auch am Hauptbahnhof. Weil Demonstranten versuchten, das abgesperrte Bahnhofsgebäude zu stürmen, setze die Polizei auch dort Wasserwerfer ein. Wegen der anhaltenden Randale am Hauptbahnhof kam es teilweise zu Störungen des Bahnverkehrs.

Als sich die Lage etwas beruhigt hatte, eskortierte die Polizei die Demonstranten in kleinen Gruppen durch den Bahnhof zu ihren Zügen, damit sie aus Köln abreisen konnten. Auch dabei kam es immer wieder zu kleineren Rangeleien mit den Einsatzkräften.

Zu Festnahmen konnte ein Polizeisprecher zunächst keine Angaben machen. Ein Hubschrauber habe aber auch Bilder aus der Luft gemacht. Diese würden nun von szenekundigen Beamten ausgewertet, um die Angreifer auch nachträglich zur Rechenschaft ziehen zu können.

Die „Hooligans gegen Salafisten“ sind eine Bewegung, die sich im Internet gebildet hat und sich über soziale Netzwerke organisiert. Neben gewaltbereiten Fußballfans werden auch Rechtsextreme der Bewegung zugerechnet. Das Bundesinnenministerium beobachtet sie nach eigenen Angaben wegen der hohen Gewaltbereitschaft unter den Sympathisanten seit einiger Zeit verstärkt. Die Kundgebung in Köln war von einem Funktionär der Anti-Islam-Partei Pro NRW angemeldet worden, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

 Hier ein Video zu der Demo in Köln.