Kritik an US-Botschafter Richard Grenell - dem groben Meister treu ergeben

Meinung – Uwe Westdörp | 05.06.2018, 20:06 Uhr

Ein „ungeheuerlicher Vorgang“ wird beklagt: Richard Grenell, der neue US-Botschafter in Berlin, macht sich für Verbündete seines Präsidenten in Europa stark, statt sich neutral zu verhalten. Das verlangt eine klare Antwort. Ein Kommentar.

Wie der Herr so das Gscherr: Donald Trump hat mit Richard Grenell einen Mann als Botschafter nach Berlin geschickt, der seinem groben Meister treu ergeben ist und aus seiner Haltung keinen Hehl macht. Diese Offenheit ist entlarvend: Kaum im Amt, hat Grenell auf einer rechtspopulistischen Plattform deutlich gemacht, dass er sich nicht als Vertreter seines Landes, sondern einer politischen Bewegung versteht. Das disqualifiziert ihn als Botschafter, aber Trump wird’s nicht stören.

Man kann Grenell nicht einmal zugutehalten, dass er einen Anfängerfehler gemacht hat, denn er ist kein Anfänger. Er war sieben Jahre lang Sprecher der US-Delegation bei den UN und hat dort auch den Botschafter in Sitzungen des Sicherheitsrates vertreten.

Grenell weiß also, was er tut, wenn er nach Gutsherrenart übers diplomatische Parkett poltert. Er will es den Europäern heimzahlen, die seinem Idol Trump seit jeher kritisch bis ablehnend gegenüberstehen. Es ist eine weitere Belastungsprobe für das transatlantische Verhältnis, das durch den Streit um Handelszölle und die Iran-Politik ohnehin schon arg belastet ist.

Dem Auswärtigen Amt fällt die Aufgabe zu, Grenell in die Schranken zu weisen – und zwar deutlich. Ansonsten würde sich die Bundesregierung lächerlich machen und ihre eigene Position in politischen Verhandlungen stark schwächen.