Zwangsgeld für unnötige Artzbesuche? Korrekter Befund, falsche Therapie

Meinung – Tobias Schmidt | 21.06.2019, 18:18 Uhr

Kaum im Amt, wirft der neue Ärztepräsident Klaus Reinhardt einen ganz dicken Stein ins Wasser und legt sich mit Patientenschützern an. Das ist mutig, und beim Befund kann man Reinhardt nur zustimmen.

Denn natürlich gehen zu viele Menschen mit Wehwehchen zum Doktor, trauen ihren Ärzten nicht und rennen, wenn der erste nichts findet, zum nächsten oder übernächsten Mediziner.

Von der Milliarde an Arztkontakten pro Jahr dürfte eine ganz erhebliche Zahl ziemlich überflüssig sein, denn so viele gibt es sonst in keinem Land. Es werden also Ressourcen verschwendet.

Der Versuch, Patienten mit Geldstrafen zu disziplinieren, ist indes mehr als heikel. Die 2013 wieder abgeschaffte Praxis-Gebühr hatte vor allem dazu geführt, dass einkommensschwache gesetzlich Versicherte (und ihre Kinder) seltener zum Arzt oder Zahnarzt gingen. Wer Arztbesuche zum Hobby macht, dürfte sich von kleinen Geldbeträgen hingegen kaum bremsen lassen.

Wenn der neue Ärztepräsident seinen Vorschlag ernst meint, müsste er also ein durchdachtes Konzept vorlegen. Und er sollte nicht nur auf echte oder vermeintliche Hypochonder zeigen, sondern seine Kollegen in die Pflicht nehmen. Wenn Ärzte ihren Luxus-Patienten ehrlich sagen würden, dass sie ihre Praxen verstopfen, anstatt gleich den Folgetermin mit ihnen zu vereinbaren, wäre viel gewonnen.

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