Kommentar zur SPD im Umfragehoch Vom Schulz-Effekt und dem Kanzlerinnen-Bonus

Meinung – Dirk Fisser | 24.02.2017, 17:38 Uhr

Die SPD im Doppelhoch: Seit der Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten der SPD steigen nicht nur die Umfragewerte der Partei, auch die Zahl der Mitglieder nimmt zu. Ein Kommentar zum Schulz-Effekt.

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Hoch der SPD und ihres Spitzenkandidaten erklären: Sicherlich spielt eine Merkel-Müdigkeit bei den Deutschen eine Rolle, auch wenn sie die rhetorisch deutlich schwächere Kanzlerin längst noch nicht so satthaben wie dereinst Helmut Kohl nach dessen 16-jähriger Kanzlerschaft.

Dann wäre da die geschickte Kampagne im Internet, die den Kandidaten innerhalb kürzester Zeit zur Kultfigur stilisierte mit Sprüchen wie: Wenn Martin Schulz ins Wasser steigt, wird er nicht nass, sondern das Wasser sozialdemokratisch. Witzig ist es ja, aber wahrgenommen wohl nur von einer Minderheit.

Und dann wäre da das politische Vakuum, das Schulz mit seiner Form des linken Populismus geschickt ausfüllt. Anders als die AfD und zuletzt auch die Linke zeigt Schulz bei seinem Werben um die Mehrheit nicht auf die Minderheit ganz unten auf der Wohlstandsskala, sondern auf die ganz oben. Zweifelsohne kommt das gut an, aber wie lange trägt das Versprechen einer vermeintlich gerechteren Gesellschaft? Bis zur Bundestagswahl ist es noch lange hin.

Sollten beispielsweise wieder Sicherheitsthemen in den Fokus rücken, kann Schulz schnell ins Hintertreffen geraten. Er als Kanzlerkandidat kann nur ankündigen. Merkel hingegen kann machen. Dieser Kanzlerinnen-Bonus toppt jeden noch so lustigen Schulz-Spruch.Der Schulz-Effekt beschert der SPD nicht nur ein Hoch in den Umfragen, sondern nach Jahren des Niedergangs auch einen kleinen Mitgliederzuwachs. Seit Martin Schulz am 24. Januar von Noch-Parteichef Sigmar Gabriel als Kanzlerkandidat vorgeschlagen wurde, traten 6564 Bürger allein via Internet in die Partei ein. Grafik: dpa