Kommentar zur Rundfunkgebühr Senden über Gebühr: Wir müssen reden

Meinung – Katharina Ritzer, Katharina Ritzer | 04.03.2018, 15:27 Uhr

Noch steht das offizielle Ergebnis aus, doch der Trend ist deutlich: Die Schweizer Bürger wollen an der Rundfunkgebühr festhalten. Unabhängig von ihrem tatsächlichen prozentualen Ausgang sendet die Abstimmung ein wichtiges Signal an den deutschen Nachbarn: Auch hierzulande muss die Zwangsgebühr auf den Prüfstand.

Das Spannende an der Abstimmung in der Schweiz über die Rundfunkgebühren ist nicht das Ergebnis, sondern dass diese Abstimmung überhaupt stattgefunden hat. Seit Jahrzehnten haben die Menschen in Europa die Pauschale fürs Fernsehen hingenommen wie den Spritpreis: ärgerlich, aber nicht zu ändern. Doch seit das Internet das Informationsmonopol von Radio, Fernsehen und Zeitungen aufgehoben hat, wird die Frage nach der Berechtigung der für den Rundfunk erhobenen Gebühren immer lauter.

Dabei ist eines klar: Demokratien brauchen unabhängige, also öffentlich-rechtliche Medien, die nicht den wirtschaftlichen Zwängen privater Verlage oder Sender oder gar der Politik unterworfen sind. Geredet werden muss aber gerade in Deutschland über die Struktur, die mehr als acht Milliarden Euro pro Jahr verschlingt. Braucht jedes Bundesland seine eigene Sendeanstalt? Wozu braucht es ARD und ZDF, wenn doch beide quasi das Gleiche senden?

Vor allem aber muss über die Zwangsgebühr pro Haushalt geredet werden - die erhoben wird, egal, ob dahinter eine arme Rentnerin, ein Millionenerbe oder ein Student steckt, der ohnehin nur Netflix nutzt und der ARD und ZDF weder will noch braucht. In Finnland, den Niederlanden und Spanien ist die starre Gebühr längst abgeschafft, dort werden die Sender über Steuern und öffentliche Mittel finanziert. Darüber sollten wir auch in Deutschland reden. Dringend.