Kommentar zur Pflegeausbildung Pflegeberufs-Reform: Kranke Kinder nicht vergessen!

Meinung – Christof Haverkamp | 13.01.2016, 13:29 Uhr

Die Pflegeausbildung soll vereinheitlicht werden: Das Bundeskabinett hat die Reform auf den Weg gebracht. Sie bringt viele Vorteile – doch die Kinderkrankenpfleger könnten zu den Verlieren gehören.

Was hat ein Kinderkrankenpfleger mit Demenzkranken zu tun? Und was muss ein Altenpfleger über den Umgang mit kranken Kindern und über Unfallpatienten wissen? Diese Fragen stellen sich, weil die Bundesregierung die Ausbildung der Pflegeberufe vereinheitlichen will. Die Motivation von Gesundheitsminister Hermann Gröhe und Familienministerin Manuela Schwesig lässt sich gut nachvollziehen: Sie wollen den Mangel an Altenpflegern abwenden und den Beruf des Pflegers insgesamt attraktiver machen. Und eine gemeinsame Ausbildung ist auch deshalb sinnvoll, weil Altenpfleger zunehmend mit Aufgaben der Krankenpflege und Krankenpfleger sehr viel mit älteren Patienten zu tun haben.

Der Gesetzentwurf, der im Bundeskabinett beraten wurde, bringt daher einige Vorteile mit sich. So soll die Pflegeausbildung künftig kostenlos sein – endlich. Das ist ein Fortschritt, der angesichts der Bedeutung des Pflegeberufes allerdings überfällig war. Auch die Möglichkeit eines eigenen Pflegestudiums ist eine Verbesserung.

Allerdings darf die Reform nicht zu Lasten kranker Kinder und ihrer Pfleger gehen, auch wenn diese mit Abstand die kleinste Gruppe sind: Während in der Kranken- und Altenpflege derzeit rund 126000 Frauen und Männer ausgebildet werden, sind es in der Kinderkrankenpflege nur etwa 6300. Wenn sie künftig an eine dreijährige Allgemeinausbildung noch zwei Jahre Spezialausbildung dranhängen müssten, würde ihr Beruf weniger attraktiv. An diesem Punkt muss die Bundesregierung über Alternativen nachdenken.

Weitere Kommentare aus Politik und Wirtschaft finden Sie hier: www.noz.de/meinung