Kommentar zur Anti-Terror-Allianz Kampf gegen IS: Was das überraschende Saudi-Bündnis bedeutet

Meinung – Burkhard Ewert | 15.12.2015, 12:41 Uhr

Siehe da: Der IS schafft es, die islamische Welt zu einen – aber nicht unter oder geschweige denn hinter sich, sondern gegen sich. Aber das Bündnis birgt auch neue Gefahren.

So hatte sich der IS das vermutlich nicht vorgestellt. Denn ein solches Anti-Terror-Bündnis, wie es die Saudis jetzt geschmiedet haben, ist beispiellos. Seine Ziele sind zudem weiter gesteckt als der Kampf gegen den „Islamischen Staat“ in Syrien und im Irak. Es geht um Terror auch der Al-Kaida-Gruppen in Nordafrika, um das Machtvakuum im Jemen, die Entwicklung in Pakistan und Afghanistan.

Chancen der saudischen Führungsrolle

Noch sind viele Fragen offen. Aber die Chancen, die der überraschende Verbund bedeutet, sind groß. Eine wichtigere Rolle als die militärische Kraft könnte spielen, dass sich die beteiligten Staaten tatsächlich zu einer Einheit entwickeln. Einige Details deuten darauf hin, die saudische Führerschaft ebenfalls. Denn so krude und archaisch das dortige Regime herrscht, so unverdächtig ist es, den Islam allzu lax auszulegen, was ihm eine gewisse Glaubwürdigkeit und moralische Autorität im Kampf gegen radikale Islamisten verleiht.

Was ist mit dem Iran?

In die richtige Richtung wies jüngst bereits eine Konferenz der syrischen Opposition in der saudischen Hauptstadt Riad. Denn je stärker die militärische Übermacht wird, umso drängender stellt sich die Frage nach dem, was geschieht, wenn der IS denn besiegt worden ist. Auch verschwände mit dem IS ja nicht der extremistische Islamismus aus der Welt, zumal - das fällt auf - der mit den Saudis um die Rolle der Führungsmacht rivalisierende Iran nicht Teil des neuen Bündnisses ist. Ihn einzubinden, muss Aufgabe sein, schon damit sich perspektivisch aus einer Allianz gegen den IS keine gegen die Schiiten entwickelt.

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