Kommentar zum Gipfel in Singapur Donald Trump macht Weltpolitik – aber anders

Meinung – Burkhard Ewert | 12.06.2018, 20:32 Uhr

Jahrzehntelang waren die Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea geprägt von Konflikten, Anfeindungen und Provokationen. Das Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un könnte zum Wendepunkt in einer langen und spannungsgeladenen Geschichte werden.

Ohne Frage, ein Stück Unsicherheit herrscht noch, ob die Vereinbarungen wirklich greifen. Beide Handlungsträger sind schwer berechenbar, US-Präsident Donald Trump vielleicht mehr noch als Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Aber auch wenn Details noch offen sind, ist die Dauerkrise nach Jahrzehnten der Konfrontation doch beträchtlich beschwichtigt.

Die Einigung auf das Abrüstungsabkommen belegt drei Dinge.

Erstens: Niemand, auch nicht in anderen Konflikten, hat ein Interesse an dauerhafter Konfrontation, auch wenn Gegensätze noch so aufgebauscht werden. Es braucht nur manchmal den Anstoß, um sich gesichtswahrend aufeinander einlassen zu können, und es braucht die Motivation, pragmatisch auf die Dinge zu blicken und nicht doktrinär.

Zweitens: Man sollte sich hüten, nach dem Schein zu urteilen. Trump treibe die Welt an den Rand des Atomkriegs, hieß es, als er in der Anbahnung der Gespräche auch vor Drohungen nicht zurückschreckte. Tja. Wer sich über Trumps Witzeln über den Friedensnobelpreis mokierte, hatte noch immer nicht verstanden, dass dieser Präsident anders kommuniziert als die politische Elite zuvor.

Drittens: Mit dem Abkommen beschämt Trump die Europäer. Diese sind doch so stolz auf ihre vermeintliche Kunst der Diplomatie. Aber sie vermögen es nicht einmal, die EU beisammenzuhalten. Kein Wunder, denn ihr Ansatz besteht in Wahrheit vielfach nicht im Streben nach Ausgleich, sondern in moralischer und regelmäßig auch doppelzüngiger Bevormundung. Warum wird ein Völkerrechtsverstoß geahndet, ein anderer nicht? Warum wird Russland mit Sanktionen belegt, während es die Sowjetunion nie wurde? Warum reisen deutsche Außenminister mehrfach um die Welt und bewirken wenig? Trump hingegen verlässt kaum sein Land – und macht mal eben Weltpolitik.

Wer in Europa immer noch auf einem hohen Ross saß, sollte spätestens jetzt herunterkommen und sein Verständnis von Politik überdenken. Er muss Trumps Positionen nicht teilen. Aber er sollte anerkennen, dass er nicht nur von Idioten umgeben ist.