Kommentar zu Brexit Kanzlerin Merkel oder die Totengräberin Europas

Meinung – Michael Clasen | 25.06.2016, 08:00 Uhr

Kanzlerin Angela Merkel wollte alles andere als die Totengräberin Europas sein. Sie läuft nun Gefahr, das Erbe europäischer Staatsmänner wie Helmut Kohl oder Charles de Gaulle zu beschädigen.

Denn der Brexit ist auch eine Reaktion auf Merkels moralischen Imperativ, der in Europa berechtigte Sorgen auslöst.

Wahlkampfhelferin der Brexit-Befürworter

Die Kanzlerin hat die EU geschwächt. Zunächst mit ihrer „alternativlosen“ Euro-Rettungspolitik, die in den Südländern zu großen sozialen Verwerfungen geführt hat. Und dann mit ihrer fatalen Flüchtlingspolitik, die Europa unter das Diktat der offenen Grenzen zwingen sollte. Merkel erweckte den Eindruck, als gebe es ein Menschenrecht auf Einwanderung. Was für eine naive und brandgefährliche Annahme. Zumal es viele Europäer gibt, die eine Massenmigration aus islamischen Ländern gerade nicht im europäischen Interesse sehen. Statt einen Kompromiss auszuloten, übte die Kanzlerin scharfe Kritik an der Schließung der Balkan-Route. Damit wurde sie zu einer starken Wahlkampfhelferin der Brexit-Befürworter.

Der vermeintliche Morallehrer Deutschland

Merkel hat nicht die Völker Europas zusammengeführt, sondern zur Spaltung beigetragen. Hört Berlin nicht auf, sich als vermeintlicher Morallehrer aufzuführen, ist Europas Zukunft klar: weiterer Verfall. Das Paradoxon ist: Ohne die Briten als Gegengewicht droht die deutsche Dominanz noch einmal zuzunehmen.