Kommentar zu Anti-Terror-Razzia Bedrohung durch islamistische Fanatiker gehört zum Alltag

Meinung – Michael Clasen | 09.02.2017, 20:11 Uhr

Polizeieinsätze wie jetzt in Göttingen gegen Islamisten reichen allein nicht aus, um den Terrorismus zu besiegen. Das von Hass geprägte Weltbild der Fanatiker darf nicht länger den Geist junger Menschen vergiften.

Und wieder eine Anti-Terror-Razzia gegen Islamisten . Diesmal stürmten gleich 450 Sicherheitskräfte Wohnungen in Göttingen und Kassel. Was für ein Wahnsinn, hätten viele noch vor dem 11. September 2001 gesagt. Heute wird das fast zur Kenntnis genommen wie der Wetterbericht.

Die Gesellschaft hat sich daran gewöhnt, dass im Abstand weniger Tage irgendwo in Deutschland und im übrigen Europa Fanatiker von Spezialkommandos abgeführt werden. Der Anti-Terror-Kampf hat sich im Alltag eingenistet. Das Blutbad vom Berliner Weihnachtsmarkt liegt erst wenige Wochen zurück. Doch den Islamisten gelingt es nicht, Angst und Panik in der Bevölkerung zu verbreiten.

Diese Gelassenheit ist nicht von Nachteil. Sie schützt vor Überreaktionen, Hass und Hysterie. Vielleicht wirkt dieses kollektive Achselzucken auf Dschihadisten sogar wie eine Strafe. Doch darf diese Gelassenheit nicht dazu führen, die Gefahr zu unterschätzen. In den vergangenen 15 Jahren ist die Bedrohung nicht kleiner geworden, sondern größer – trotz aller Polizeieinsätze. Das liegt auch daran, dass die ideologische Herausforderung noch nicht in vollem Umfang erkannt wurde. Das von Hass geprägte Weltbild der Fanatiker darf nicht länger den Geist junger Menschen vergiften.