Kommentar Völkermord in Armenien: Das muss gesagt werden

Meinung – Katharina Ritzer, Katharina Ritzer | 26.06.2016, 18:20 Uhr

Papst Franziskus scheut den Konflikt mit der Türkei nicht. Bei seiner viel beachteten Armenien-Visite hat er erneut den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich verurteilt. Die Kritik aus Ankara kam postwendend. Doch die Aussage des Pontifex ist nicht nur legitim, sie ist auch geboten. Ein Kommentar.

Natürlich ist die systematische Ermordung von 1,5 Millionen Armeniern durch das Osmanische Reich vor 101 Jahren ein Völkermord. Und natürlich muss dies gesagt werden, ob vom Papst, vom Bundestag oder von (nach armenischer Zählung) 27 Staaten weltweit. Und je mehr die Türkei als Rechtsnachfolger gegen diese Wahrheit wütet, umso deutlicher muss sie gesagt werden. Die 1,5 Millionen Armenier sind tot und die Türkei würde die Erinnerung an dieses Verbrechen am liebsten auch beerdigen – gut, dass der Papst ausdrücklich an diese „Erinnerung des armenischen Volkes“ appelliert.

Dieses hehre Prinzip der Nichteinmischung geht immerhin auf den Westfälischen Frieden in Osnabrück und Münster zurück, mit dem der Dreißigjährige Krieg beendet wurde. Aber die Zeiten haben sich gewandelt seit 1648 und heute besteht die Welt eben nicht mehr aus in sich selbst abgeschlossenen Staaten. Aus besonderem Grund kann und muss es Regierungen oder auch den Papst also sehr wohl etwas angehen, was in einem anderen Land vor sich geht oder gegangen ist. Und ein Genozid ist allemal ein solch besonderer Grund.