Kommentar US-Verteidigungsminister im Irak: Was für ein Chaos

Meinung – dpa | 20.02.2017, 18:01 Uhr

Der neue US-Verteidigungsminister James Mattis ist zu seinem ersten Besuch im Irak seit seinem Amtsantritt eingetroffen. Und musste zuallererst bei mehrere Aussagen von US-Präsident Donald Trump zurückrudern. Ein Kommentar.

Am Beispiel des Irak zeigt sich, wie emotionsgetriebenes Wahlkampfgetöse eine ruhige, sachorientierte Diplomatie erschweren kann. Gerade erst hatte Verteidigungsminister James Mattis in Brüssel die von Donald Trump geschürten Sorgen über die Zukunft der Nato zu besänftigen versucht, schon galt es erneut Scherben zusammenzukehren.

Noch während des Fluges nach Bagdad musste der Ex-General frühere Aussagen von Trump relativieren: Der hatte das irakische Öl als Kriegsbeute bezeichnet, welche die USA nach der Invasion im Jahr 2003 hätten beschlagnahmen sollen. Und hinterher geschoben, dass ein Sieg über die Terrormiliz IS vielleicht eine neue Chance dafür böte.

Trumps neokolonialistisch anmutenden Aussage ist nicht die einzige Hypothek, die den Besuch belastet. Auch der aktuell nur durch Gerichte gestoppte Einreisebann hat in Bagdad für Verstimmung gesorgt. Mattis beeilte sich, zu versichern: Jene Iraker, die an der Seite der USA gekämpft hätten, wolle man beim neuen Anlauf nicht aussperren.

Vollkommen wird das Durcheinander in Hinblick auf Trumps zukünftige Irak-Politik: Einerseits hat er gesagt, US-Truppen schnellstmöglich abziehen zu wollen, andererseits ein entschlossenes Vorgehen gegen den IS angekündigt. Ja, was denn nun? Der irakischen Armee steht in West-Mossul ein womöglich äußerst blutiger und zermürbender Häuserkampf gegen einen zu allem entschlossenen Gegner bevor. In dieser Situation wäre es für die Regierung in Bagdad wichtig zu wissen, ob und wie sie auf die Unterstützung der USA bauen können.