Kommentar US-Spionagefällen: Fremde Freunde

Meinung – Beate Tenfelde | 10.07.2014, 20:49 Uhr

Ein Machtwort von Kanzlerin Merkel – endlich. Die fortgesetzte Demütigung Deutschlands durch außer Kontrolle geratene US-Geheimdienste ließ sich nicht länger kleinreden und bagatellisieren, wie es Innenminister de Maizière bis zuletzt wenig überzeugend versucht. Kraftvergeudung nennt die Regierungschefin die Spitzelei der Amerikaner angesichts der echten Herausforderungen der Weltgemeinschaft.

Wohl wahr. Wenn der Nahe Osten brennt, wirken die plumpen US-Schnüffeleien wie aus der Zeit gefallene Kalter-Krieg-Methoden und wie der Ausdruck einer Überheblichkeit, die an Besatzerzeiten erinnert.

Als bekämen sie eine Abwrackprämie, demontieren US-Agenten deutsch-amerikanische Bindungen. Sie schüren ohne Not einen Hass auf die Weltpolizei USA, der nicht nur Finanzminister Schäuble außer Fassung bringt. Weil deutsche Empörung in den Vereinigten Staaten nur auf impertinente Gleichgültigkeit stößt, bleibt nur noch die Ausweisung des obersten US-Geheimdienstlers in Deutschland. Dabei verabscheut Merkel derart drastische Schnitte.

Ein Schatten fällt auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen und steigert die Kühle. Präsident Obama und die Kanzlerin waren ohnehin schon fremde Freunde – wohl auch deshalb hat Merkel lange mit dem „Basta“ gezögert. Jetzt musste es aber sein.