Kommentar Trumps „Jeder gegen jeden“-Doktrin ist kurzsichtig

Meinung – Thomas Ludwig | 25.09.2018, 20:37 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat vor den Vereinten Nationen eindringlich dafür geworben, nationalen Interessen den Vorrang vor einer globalen Weltordnung einzuräumen. Wie kurzsichtig.

Die Vereinten Nationen haben viel Potenzial, aber sie liefern nicht. Soweit mag man der Diagnose von US-Präsident Donald Trump anlässlich der UN-Vollversammlung noch beipflichten. Zu oft kommt es vor, dass die Weltgemeinschaft Krisen und Kriege nicht verhindern oder beenden kann. Trump sagt aber nicht, dass dies an Männern wie ihm liegt, die eigene Interessen verfolgen und die Weltgemeinschaft genüsslich auflaufen lassen. Das kann ein Trump so gut wie ein Putin so gut wie ein Xi so gut wie ein Rohani....

Beispiel Iran: Die Internationale Atomaufsicht bescheinigt dem Land, sich an die Abmachungen zur Einhegung des Atomprogramms zu halten. Dennoch haben die USA das Abkommen gekündigt. Damit hat Trump einen Konflikt neu angefacht, der zu verglimmen schien. Die Europäer versuchen, zu retten, was zu retten ist. Sie wollen weiter Geschäfte mit dem Iran machen, indem sie der US-Sanktionspolitik Paroli bieten. Dabei wissen sie weite Teile der internationalen Gemeinschaft hinter sich.

Präsident Trump – vor der Vollversammlung geradezu absurd voll des Lobes für sich selbst – muss erkennen, dass Viele auf dem internationalen Parkett kaum mehr als Häme und Sarkasmus für ihn übrig haben. Wer den Multilateralismus ohne Sinn und Verstand verächtlich macht, darf sich nicht wundern, wenn andere ein Gegengewicht bilden. Mal sehen, wer zuletzt lacht.