Kommentar Russland und der Westen: Vom Fressen und der Moral

Meinung – Uwe Westdörp | 23.07.2014, 20:42 Uhr

Ein Land in Trauer hat die ersten nach Hause übergeführten Todesopfer des Flugzeugabsturzes in der Ostukraine empfangen. Das niederländische Königspaar, Regierungschef Mark Rutte und zahlreiche Angehörige warteten auf dem Flughafen Eindhoven, als ein Transportflugzeug die ersten Särge mit den sterblichen Überresten aus Charkow brachte. Dazu ein Kommentar.

Wie instinkt- und gefühllos: Die Niederlande gedenken an einem nationalen Tag der Trauer der Opfer des Flugzeugabsturzes in der Ukraine. Und in Deutschland treten Politiker eine populistische Diskussion um eine Absage der Fußball-WM 2018 in Russland los – so, als gäbe es nicht weit drängendere Probleme. Und so, als ob nicht jeder wüsste, dass der Fußballverband FIFA sich von solchen Debatten ohnehin nicht beeindrucken lässt.

Nein, jetzt ist nicht der Zeitpunkt für irrlichternde Debatten, die nur vom Kern der Probleme ablenken. Vielmehr muss alles getan werden, um die Opfer zu identifizieren, damit die Angehörigen sich in Würde von ihnen verabschieden können. Außerdem sollte der Westen endlich härtere Sanktionen gegen Russland verhängen und nicht nur darüber reden.

Doch stattdessen zeigt sich, wie mies es um die Moral der angeblich so empörten westlichen Wertegemeinschaft bestellt ist. Frankreich beharrt darauf, Russland zwei Hubschrauberträger zu liefern. Und Großbritanniens Premier David Cameron wurde soeben als Heuchler entlarvt. Während er andere Staaten wegen andauernder Rüstungsgeschäfte scharf kritisiert, stellt sich heraus, dass auch die Briten munter weiter Waffen an Russland liefern. Wieder einmal zeigt sich: Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral. Welchen Eindruck all diese Vorgänge auf die Hinterbliebenen der Absturzopfer machen, mag man sich gar nicht vorstellen.