Kommentar Perez neuer Chef der US-Demokraten: Kein Selbstläufer

Meinung – Maik Nolte, Maik Nolte | 26.02.2017, 19:17 Uhr

Ein Ex-Minister der Obama-Administration soll den US-Demokraten neuen Schwung geben. Über Steilvorlagen aus dem Weißen Haus kann sich Tom Perez nicht beklagen. Einfach wird es für ihn dennoch nicht.

Der Sohn einer eingewanderten Latino-Familie führt die US-Demokraten: Die Wahl Tom Perez‘ zum Parteichef ist ein Zeichen nicht nur gegen Präsident Donald Trump, sondern gegen den Rechtspopulismus an sich – und auch an die eigenen Wähler. Denn mit dem Bürgerrechtsanwalt Perez werden sich auch die Unterstützer des unterlegenen linken Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders anfreunden können.

Mit Blick auf die innerparteilichen Gräben bei den Demokraten wird Perez zwar noch Scherben aufzufegen haben. Für die nötige Aufbruchstimmung sorgt derweil der politische Gegner mit seinen bizarren politischen Vorstößen. Ein Staatschef, der eine Art Kreuzzug gegen die Medien führt und im Tagesrhythmus Steilvorlagen liefert – für einen Oppositionsführer traumhafte Verhältnisse. Eigentlich.

Sich aber allein auf eine Anti-Trump-Kampagne als Selbstläufer zu verlassen, wird dennoch nicht reichen. Bereits Hillary Clinton hatte sich diesbezüglich grandios verspekuliert. Und Minister in der Vorgängerregierung gewesen zu sein, ist in der US-Politik kein Pluspunkt mehr, eher ein Mühlstein. Um vergrätzte Wähler zurückzugewinnen, wird Perez dem Trumpschen Irrsinn Inhalte entgegensetzen müssen, mit denen er auch diejenigen erreicht, die sich von den Eliten im Stich gelassen fühlen. Eine Gratwanderung, bei der er leicht abrutschen kann.