Kommentar Nato: Schaulaufen auf Kommando

Meinung – Maik Nolte, Maik Nolte | 15.06.2016, 19:36 Uhr

Die Nato will im Kampf gegen die Terrormiliz des „Islamischen Staats“ aktiver werden. Militärisch spielt der Awacs-Einsatz kaum eine Rolle - politisch aber schon. Ein Kommentar.

Truppen nach Osteuropa , Raketenabwehr in Rumänien , nun Awacs-Einsätze im Syrien-Krieg – einen Mangel an Umtriebigkeit kann man der Nato wahrlich nicht vorwerfen. Bleibt die Frage, was sich das Bündnis von diesem neuen Schritt verspricht.

Militärisch betrachtet ist der Einsatz von Awacs-Maschinen nur wenig mehr als ein Schaulaufen. Was soll denn da überwacht werden – Bewegungen der nicht existenten IS-Luftwaffe? Oder vielleicht, als praktischer Nebeneffekt, nicht doch eher die der russischen Streitkräfte in Syrien?

Positiv gedacht, könnten die Frühwarnflugzeuge immerhin dazu beitragen, ungewollte Zwischenfälle bei Kampfeinsätzen zu vermeiden. Das ginge aber auch einfacher, mit Gesprächen im Rahmen des Nato-Russland-Rats nämlich. Dessen Wiederbelebung lässt allerdings, trotz mancher hehren Worte , weiter auf sich warten.

Die USA drängen seit Längerem darauf, dass die Nato eine aktive Rolle im Kampf gegen den Islamischen Staat spielt. Aber unabhängig von der Frage, ob dieser Kampf ein gerechter ist: Die Nato ist, zumindest auf dem Papier, immer noch ein Verteidigungsbündnis – und nicht Erfüllungsgehilfe der Außenpolitik einzelner Mitgliedsstaaten. Wenn die Partner jetzt diensteifrig die Hacken zusammenschlagen, so lassen sie sich schlichtweg instrumentalisieren. Entweder das, oder das Bündnis verfolgt eigene Ziele in Syrien und im Irak – und das steht ihm nicht zu.