Kommentar Israels Sorge vor Iran ist nachvollziehbar

Meinung – Thomas Ludwig | 04.06.2018, 19:59 Uhr

Bei seinem Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel in Berlin mühte sich Israels Regierungschef Netanjahu eine Phalanx gegen Iran zu schmieden. Das ist aus Sicht seines Landes verständlich. Doch Israel muss selbst auch mehr Friedenswillen in der Region zeigen.

Es ist verständlich, dass Israels Premier in Berlin und anderen europäischen Hauptstädten darum wirbt, iranisches Vormachtstreben in der Region einzuhegen und die Ayatollahs in die Schranken zu weisen. Israels Armee ist nicht ohne Grund in Alarmbereitschaft. Teheran nutzt den Krieg in Syrien, um sich dort militärisch festzusetzen. Die Absicht dahinter ist klar: näher an Israel heranrücken, um es potenziell leichter auslöschen zu können. Die Mullahs haben einen Staat Israel längst nicht akzeptiert.

Auf einem anderen Blatt steht, ob es der richtige Weg ist, das Atomabkommen mit Teheran einseitig zu kündigen, wie es die USA - von Israel positiv orchestriert - gemacht haben. Viel deutet darauf hin, dass die Machthaber im Gottesstaat nur giftiger werden. Bislang hat die Aufkündigung die Region nicht stabiler gemacht.

Netanjahu wäre gut beraten, sich nicht allein auf die USA als Sicherheitsgaranten zu verlassen. Das Leben mit den Europäern machte er sich leichter, wenn er nicht nur deren Gefolgschaft einforderte, sondern endlich von der Landnahme im Westjordanland ließe; diese Siedlungspolitik torpediert eine Friedenslösung mit den Palästinensern. Solange das so ist, kommt Israel allein schon aus Sorge vor einem Mehrfrontenkrieg um eine Abschreckungspolitik gegenüber Iran nicht herum.

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