Kommentar Hungersnot in Somalia: Katastrophe mit Ansage

Meinung – Melanie Heike Schmidt | 11.05.2017, 19:19 Uhr

Terror, Gewalt, Hunger: Die Liste der Schrecknisse, unter denen Somalia leidet, ist lang. Eine internationale Geberkonferenz will helfen. Doch das ist nicht so leicht, denn funktionale Strukturen gibt es in dem geschundenen Land am Horn von Afrika schon lange nicht mehr.

Gäbe es eine Hölle auf Erden, könnte sie in Somalia liegen: Jahrezehntelanger Bürgerkrieg hat blutige Spuren durch das bitterarme Land gezogen und den Boden bereitet für die Terrormiliz Al-Shabaab, die einen Gottesstaat errichten will. Verfeindete Clans liefern sich Gefechte, die Gewalt ist allgegenwärtig, die Sterblichkeitsrate der Babys hoch; und vor der Küste lauern Piraten. Der Aufbau stabiler Strukturen scheint nahezu unmöglich. Viele hoffen zwar auf den neuen Präsidenten, doch die nächste Katastrophe ist bereits da: Hunger bedroht die Menschen. Und zuerst sterben die Kinder.

Klar ist: Somalia braucht Hilfe, und zwar schnell. Die Geberkonferenz in London ist ein Anfang. Doch Geld bereitstellen, reicht nicht. Damit es nicht versickert, braucht es Kontrollen und gute Planung. Beides kann und darf nicht der schwachen Regierung in Mogadischu überlassen werden.

Somalia gilt als failed state, als gescheiterter Staat. Sind Hilfen rausgeschmissenes Geld? Nein. Not und Gewalt treiben Menschen in die Flucht. Wer verhindern will, dass sich der Druck auf Europa weiter erhöht, sollte ein Interesse daran haben, die Not in Somalia zu lindern. 

Die Tragik daran: Es ist eine Katastrophe mit Ansage, Alarmzeichen wurden ignoriert. Dabei war man doch gewarnt: Schon 2011 starben 250.000 Somalier – bei einer Hungersnot.

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