Kommentar Einbrüche und Gewalt verhindern: Prävention muss sexy werden

Meinung – Melanie Heike Schmidt | 06.06.2016, 18:21 Uhr

Alle drei Minuten wird irgendwo in Deutschland eingebrochen. Schutzmaßnahmen könnten Täter abschrecken, doch allzu oft werden sie erst getroffen, wenn schon etwas passiert ist. Damit Prävention greifen kann, braucht sie dringend ein besseres Image.

Wie wichtig Kriminalprävention ist, betonen Experten aus Politik, Wirtschaft und Justiz nahezu gebetsmühlenartig. Das Problem: Die guten Ratschläge verhallen oft ungehört. Beispielsweise machen sich viele erst dann Gedanken um die Sicherheit von Haus und Hof, wenn sich im Viertel die Einbrüche häufen. Das ist menschlich. Doch vielfach ist es dann zu spät.

Tatsächlich könnten viele Taten verhindert werden. So lassen sich, um beim Beispiel zu bleiben, Diebe durchaus abschrecken, wenn im Vorfeld durchdachte Vorkehrungen ergriffen werden. Ähnliches gilt für einen Teil der Gewalttaten.

Damit Prävention besser gelingt, muss die Verbrechensverhütung ihr Langeweile-Image loswerden und zum Trend werden, ähnlich wie gesunde Ernährung oder Sport. Werbeexperten würden sagen: Prävention muss sexy werden. Der Imagewandel gelingt aber nur, wenn Gewaltvorbeugung immer und immer wieder Thema ist – in der Familie und im Freundeskreis, in Schulen, Vereinen und Universitäten, am Arbeitsplatz.

Unverzichtbar in diesem Konzert ist der Deutsche Präventionstag, der derzeit in Magdeburg stattfindet und der aktuelle Erkenntnisse nicht nur bündelt, sondern diese mithilfe seiner 2200 Teilnehmer aus 40 Ländern auch über Grenzen hinweg streut. Denn Kriminalität wandelt sich. Längst schon endet sie nicht mehr an Landes- oder Bundesgrenzen.

Doch nur über Prävention zu sprechen, reicht nicht. Auch der Staat muss aktiv werden. Strafen müssen auf ihr Abschreckungspotenzial hin abgeklopft und angepasst werden. Prozesse sollten möglichst schnell stattfinden, um Wiederholungstaten zu verhindern. Auch bürokratische Hürden wie verschiedene IT-Systeme in den Ermittlungsbehörden gehören endlich abgeschafft.

Das alles funktioniert nur mit genügend Personal bei Polizei und Justiz. Hier die Personaldecke noch weiter auszudünnen, wäre fatal.