Kommentar Debatte um „Marionetten“-Lied: Danke, Xavier

Meinung – Karsten Frei | 09.05.2017, 18:55 Uhr

Popsänger Xavier Naidoo hat das umstrittene Lied „Marionetten“ der Söhne Mannheims gegen den wachsenden Vorwurf von Rechtspopulismus verteidigt. Der Song sei „bewusst zugespitzt“ und solle zum Nachdenken anregen. Immerhin das hat er geschafft, meint unser Kommentator.

So viel vorweg: Niemand verbietet den Söhnen Mannheims, ihr von vielen Kritikern als rechtspopulistisch gegeißeltes Lied „Marionetten“ zu spielen. Trotzdem fühlt sich Frontmann Xavier Naidoo nach dem Gespräch mit den Mannheimer Stadtoberen bemüßigt, für die „Freiheit der Kunst“ das Wort zu erheben und sich als missverstandenen Künstler darzustellen: Alles ein Missverständnis, alles nicht so gemeint. Man stehe für eine offene, freiheitliche, liberale und demokratische Gesellschaft. Wie „Marionetten“ diese stärken soll, bleibt sein Geheimnis.

In bester AfD-Manier – erst provozieren, dann zurückrudern – beklagt der Sänger, dass Satzteile aus dem Kontext gerissen und falsch interpretiert worden seien. Man habe nur zum Nachdenken anregen wollen.

Nun, dieses Ziel haben die Söhne Mannheims erreicht: In Zeiten eines zunehmenden Rechtsrucks in der Gesellschaft, in denen Fake News und Verschwörungstheorien Hochkonjunktur haben, Todesdrohungen gegen Politiker Alltag sind, Hate-Speech eine gängige Kommunikationsform im Internet ist und „ Reichsbürger“ Polizisten angreifen, haben viele Menschen beim Lied „Marionetten“ eben mit wachem Verstand zweimal hingehört. Und ihnen ist aufgefallen, dass ein Sänger, der unter anderem Deutschland als besetzt erachtet, dem Bundespräsidenten Hochverrat vorwarf, an eine Verschwörung bei den Anschlägen vom 11. September glaubt, vor „Reichsbürgern“ spricht und auch mal homophobe Textzeilen trällert, jetzt die „Pizzagate“-Theorie neu belebt, Politiker fremdgesteuert nennt und Selbstjustiz propagiert. Und finden das kritisierenswert.

Hingucken, hinterfragen, Zusammenhänge erkennen. Klappt noch. Danke, Xavier.

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