Kommentar Cyberkriminalität: Jeden Fall zur Anzeige bringen

Meinung – Karsten Frei | 03.05.2017, 18:29 Uhr

Immer noch schweigen viele Opfer von Cyberkriminellen, aus Angst, Scham oder Unwissenheit. So aber werden die Behörden nicht die nötigen Mittel im Kampf gegen die neue Bedrohung erhalten. Ein Kommentar.

Mit Blick auf die offiziellen Zahlen scheint Cyberkriminalität keine besonders ernste Bedrohung zu sein. Bundesweit 83000 Fälle und lediglich 51 Millionen Euro Schaden in einem ganzen Jahr. Das ist gerade einmal ein Zehntel der Schadenssumme, die Einbrecher der alten Schule jährlich verursachen. Sollten Verbraucher und Unternehmer ihr Geld also lieber in noch modernere Türschlösser oder Alarmanlagen investieren, statt es für Fortbildungen, IT-Sicherheitsberater oder Schutz-Software auszugeben?

Nein. Experten rechnen in Sachen Cyberkriminalität mit einer enormen Dunkelziffer und tatsächlichen Schäden in Milliardenhöhe. Nur ein winziger Teil der Fälle wird zur Anzeige gebracht. Aus Scham oder Angst. Aber auch aus Unwissenheit. Denn anders als bei einem Wohnungseinbruch merken viele Betroffene gar nicht, dass sie Opfer von Computerkriminellen wurden. Auf dem Desktop liegen keine durchwühlten Dateien herum, es sind nicht alle Ordner aufgerissen und das Dokument „Passwörter.txt“ fehlt.

Sich mit sicheren Passwörtern, Software und dem entsprechendem Wissen zu schützen liegt in der Verantwortung des Einzelnen. Die Täter dingfest zu machen, dazu können alle beitragen. Indem jede Hackerattacke, jeder Fall von Phishing, jeder Betrugsversuch oder Spyware-Einsatz zur Anzeige gebracht wird. Denn mit jedem aktenkundigen Fall steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Polizei endlich die nötigen Mittel erhält, um technisch und personell mit den Kriminellen gleichzuziehen.

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