Kommentar Bundeswehr-Einsatz in Osteuropa: Falscher Diensteifer

Meinung – Maik Nolte | 29.04.2016, 20:02 Uhr

Die Bundeswehr soll nach dem Willen der Bundesregierung beim Nato-Bataillon in Osteuropa nicht nur mitmachen, sondern sogar eine Führungsrolle übernehmen. Warum eigentlich strebt Berlin diese nicht auf dem diplomatischen Parkett an?

Ausgerechnet die Bundeswehr. So überlastet – wie gebetsmühlenartig behauptet – scheint die Truppe dann ja doch nicht zu sein, wenn sie sich nun nicht nur an dem Nato-Bataillon in Osteuropa beteiligen will, sondern dort sogar eine Führungsrolle anpeilt. Im (noch) nichtexistenten Konflikt mit Russland, der indes fleißig herbeigeredet und –geschrieben wird. Natürlich ließ die Ankündigung von Gegenmaßnahmen durch den Kreml nicht lange auf sich warten.

Eine solche Diensteifrigkeit Berlins dürften sich die Bündnispartner in anderen Konflikten vermutlich wünschen. Drücken kann sich Nato-Mitglied Deutschland vor einer Beteiligung ohnehin kaum; zudem haben gleich mehrere Bundesregierungen oft genug getönt, international mehr Verantwortung übernehmen zu wollen.

Aber wenn Berlin schon unbedingt führen will – wie wäre es, stattdessen lieber bei der Deeskalation des leichtfertig geschürten Beinahe-Konflikts voranzugehen? An dessen Auslöser, der Ukraine-Krise, zeigt sich, was passiert, wenn mehr Wert auf militaristisches Geplänkel als auf nachhaltige Diplomatie gelegt wird. Denn dort wird längst wieder geschossen. Und die Scharfmacher beider Seiten dürfen sich vom Säbelrasseln auf der großen Bühne nur ermuntert fühlen.