Kommentar Behandlungsfehler: Recht des Patienten stärken

Meinung – Stefanie Witte | 05.06.2018, 20:07 Uhr

Die gute Nachricht: Die Zahl der Behandlungsfehler sinkt offenbar leicht. Die schlechte: Immer noch müssen Tausende Menschen Jahr für Jahr unter den Folgen falscher oder fehlerhafter Behandlung leiden. Dagegen kann mehr getan werden.

Ob es nun unbedingt ein Zentralregister sein muss, ist fraglich. Krankenkassen und Ärzteschaft zählen die Fälle bereits. Eine zentrale Stelle, die auch noch mitrechnet, brächte zwar vielleicht eine genauere Zahl hervor, würde aber ansonsten nicht sonderlich viel verbessern. Wichtiger als eine vermeintlich exakte Ziffer wäre es, wiederholte Fehler zu identifizieren und Schlüsse aus ihnen zu ziehen. In diesem Zusammenhang wäre Dezentralisierung sogar sinnvoll – komplexe Sachverhalte lassen sich am besten in der jeweiligen Pfleger- oder Facharztgruppe erörtern.

Unbedingt notwendig und sofort spürbar wäre jedoch etwas anderes: Die Beweislast für betroffene Patienten muss gesenkt werden. Es kann nicht sein, dass nur derjenige ohne Probleme Recht bekommt, dem das falsche Bein amputiert wurde. Wenn ein Behandlungsfehler für einen Folgeschaden mit großer Wahrscheinlichkeit ursächlich ist, muss der Patient mindestens in Haftungsfragen Recht bekommen. Gut, dass sich mittlerweile viele für diese Forderung stark machen – bis zum Patientenbeauftragten der Bundesregierung.