Kommentar Ärztemangel auf dem Land: Risiko für die Region

Meinung – Christian Schaudwet | 05.07.2014, 09:00 Uhr

Bei immer stärker spürbarem Fachkräftemangel wird eine lückenhafte ärztliche Versorgung auf dem Land zum Standortnachteil: Wer sich um das Wohl seiner Familie sorgt, macht einen Bogen um Unternehmen abseits der Städte.

Mit dem Ärztenotstand ist es wie mit einem Sturm. Man spürt ihn, bevor er losbricht. Und man hält sich von ihm fern. Das tut so mancher Hoffnungsträger der Wirtschaft schon jetzt im Hinblick auf die immer dünnere Ärztebesetzung ländlicher Gebiete. Das Szenario eines einschneidenden Ärztemangels in einigen Jahren schrecke hoch qualifizierte Bewerber davon ab, an Unternehmensstandorte abseits der größeren Städte zu ziehen, berichten Firmen der Region.

Die Unternehmen fürchten um ihre Attraktivität für junge Fach- und Führungskräfte. Denn viele potenzielle Neuzugänge gründen in genau dieser Lebensphase Familien. Was, wenn unser Kind krank wird und wir 50 Kilometer bis zum nächsten Kinderarzt zurücklegen müssen? Wer sich dies fragt, ist von der Entscheidung gegen das Emsland oder eine andere ländliche Gegend im Nordwesten nicht weit entfernt.

Der erste Schritt zur Gefahrenabwehr wäre, den Landarztjob selbst familienfreundlicher, vor allem mütterfreundlicher, zu gestalten – 70 Prozent der Medizin-Studierenden sind weiblich.

Es ist höchste Zeit, medizinische Versorgung nicht nur als Grundpflicht gegenüber der Bevölkerung zu begreifen, sondern auch als Standortfaktor. Ist sie da, wird sie im immer härteren Wettbewerb um Personal zum Vorteil gegenüber anderen Regionen. Fehlt sie, wird sie zum Risiko.