Kämpfe in der Türkei Konflikt mit PKK: Tausende Schüler verpassen Unterricht

22.12.2015, 08:23 Uhr

Zehntausende Kinder gehen wegen der Kämpfe zwischen der kurdischen PKK und der Armee in der Südosttürkei nicht zur Schule. Die deutsche Linkspartei fordert, wegen des Konflikts mit den Kurden Waffenlieferungen an die Türkei einzustellen.

Wegen des eskalierenden Konflikts zwischen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der Regierung erhalten in der Südosttürkei Zehntausende Kinder keinen Schulunterricht. Alleine in dem mit einer Ausgangssperre belegten Bezirk Nusaybin in der Provinz Mardin seien 25.000 Schüler betroffen, sagte der Chef der Bildungsgewerkschaft Egitim-Sen in Mardin, Hamdullah Yildirim.

Viele Schulen seien geschlossen, doch auch sonst sei kein Unterricht möglich. „Ständig hört man Artilleriefeuer, es fallen Schüsse, und es kommt zu Ausschreitungen. Die Familien haben Angst um ihre Kinder“, sagte Yildirim. Im Bezirk Dargecit verpassten mehr als 5000 Schüler den Unterricht, 500 Lehrer seien in ihre Heimatstädte zurückgekehrt.

Schüler verpassen Prüfungen

Hinzu kommen Tausende Kinder, die eine wichtige Prüfung verpassten, um ins Gymnasium aufsteigen zu können. „Diese Schüler werden nach gleichen Kriterien bewertet wie die aus dem restlichen Teil des Landes. Kann man da noch von Gleichberechtigung sprechen?“ kritisierte Yildirim.

In Diyarbakir sei die Situation ähnlich, sagte Dilek Adsan von Egitim-Sen in Diyarbakir. Alleine im Viertel Sur verpassten mehr als 3000 Schüler und 400 Lehrer den Unterricht. Das Bildungsministerium gab auf Anfrage keine Zahlen bekannt.

Stopp von Waffenlieferungen

Als Reaktion auf die türkische Militäroffensive gegen die PKK hat die Linkspartei einen sofortigen Stopp deutscher Rüstungsexporte in das Land gefordert. Außenminister Frank-Walter Steinmeier müsse darüber hinaus umgehend nach Ankara fahren, um zu erreichen, dass das Sterben von Zivilisten beendet werde, sagte der Vorsitzende Bernd Riexinger nach Angaben seiner Partei.

„Der Einsatz von gelieferten Waffen gegen die eigene Bevölkerung verstößt gegen den NATO-Vertrag“, betonte Riexinger. „Es muss einen sofortigen Stopp aller Rüstungsexporte in die Türkei geben, denn deutsche Waffen morden mit.“ Im Jahr 1992 habe die Regierung Kohl mit dem damaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher bereits ein Waffenembargo gegen den Nato-Partner verhängt.

Mehr als 100 Tote

Bei der jüngsten Militäroffensive gegen die verbotene PKK sind in der Südosttürkei in den vergangenen Tagen mehr als 100 Menschen umgekommen. Die türkische Armee setzte dabei auch Panzer in Diyarbakir und anderen Städten ein.

Im Jahr 2014 waren nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums Kriegswaffen aus deutscher Produktion im Wert von 14,4 Millionen Euro an die Türkei verkauft worden, darunter 25 leichte Maschinengewehre.