Kabinett bringt Reform auf den Weg Gröhe und Schwesig verteidigen neue Pflegeausbildung

Von Christof Haverkamp | 13.01.2016, 07:42 Uhr

An diesem Mittwoch hat das Bundeskabinett das Pflegeberufsgesetz auf den Weg gebracht, das eine neue, einheitliche Ausbildung vorsieht. Ein umstrittenes Vorhaben, das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) verteidigen.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Schwesig: „Die kostenfreie berufliche Ausbildung und eine angemessene Ausbildungsvergütung sowie der einheitliche Berufsabschluss werden den Pflegeberuf aufwerten.“ Damit trage die Reform auch zu mehr Lohngerechtigkeit für Frauen und Männer bei, erklärte die Ministerin. Sie verwies darauf, dass im Pflegeberuf zu 80 Prozent Frauen arbeiten. „Leider wird die Arbeit am Menschen immer noch weniger wertgeschätzt als die Arbeit an Maschinen“, kritisierte Schwesig.

„Gute Arbeitsbedingungen und ordentliche Bezahlung“

Gröhe betonte, künftig würden mehr Pflegekräfte gebraucht. Daher müsse der „Zukunftsberuf Pflege“ noch attraktiver gemacht werden. „Dazu gehören gute Arbeitsbedingungen und eine ordentliche Bezahlung“, unterstrich der Gesundheitsminister.

Außerdem gehörten dazu Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln. „Pflegekräfte müssen in Altenheimen zunehmend auch mehrfach und chronisch Kranke versorgen“, begründete Gröhe die gemeinsame Ausbildung von Alten- und Krankenpflegern. Eine Pflegekraft im Krankenhaus müsse sich in der Versorgung Demenzkranker auskennen. Mit der neuen Pflegeausbildung würden die Mitarbeiter fit für die veränderten Anforderungen gemacht. „Ein Schulgeld in der Altenpflege wird endlich der Vergangenheit angehören.“

DGB und Arbeitgeber: Schmalspurausbildung

Die Arbeitgeber und der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisieren dagegen die geplante Zusammenführung der Ausbildung in der Alten- und Krankenpflege. Sie sprechen von einer „Schmalspurausbildung“.

Derzeit gibt es drei eigenständige Berufsausbildungen im Pflegebereich: zum Altenpfleger, zum Gesundheits- und Krankenpfleger sowie zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger. Der Entwurf von Schwesig und Gröhe sieht eine einheitliche Ausbildung vor. Die neue Berufsbezeichnung lautet Pflegefachmann oder Pflegefachfrau. Vorgesehen ist eine drei Jahre dauernde Ausbildung mit Unterricht an Pflegeschulen und eine praktische Ausbildung, in der ein Schwerpunkt gewählt werden kann. Am Ende steht eine staatliche Abschlussprüfung.

Drei Jahre Pflegestudium

Geplant ist auch ein berufsqualifizierendes Pflegestudium. Es soll mindestens drei Jahre dauern. Nach Ansicht der Bundesregierung eröffnet dieses Studium Interessierten neue Karrieremöglichkeiten. Gerechnet wird mit Mehrkosten von 320 Millionen Euro. Das Gesetz bedarf der Zustimmung des Bundesrates und könnte dann nach Angaben der zuständigen Ministerien 2018 starten.(mit AFP)