In Griechenland schon Gesetz Drogenbeauftragte für Rauchverbot in Autos mit Minderjährigen

31.08.2015, 09:16 Uhr

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, hat sich für ein Rauchverbot in Autos ausgesprochen, wenn Minderjährige mit an Bord sind.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, hat sich für ein Rauchverbot in Autos ausgesprochen, wenn Minderjährige mit an Bord sind.

„Ich würde die Prüfung eines solchen Verbots innerhalb des Kinder- und Jugendschutzes sehr begrüßen“, sagte die CSU-Politikerin am Montag der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“.

Gegner des Rauchverbots argumentierten oft, dass eine solche Regelung zu tief in die Freiheitsrechte der Eltern eingreife, erklärte die Drogenbeauftragte. „Hier geht es aber darum, dass Kinder dauerhaft geschädigt werden, weil die Rauchkonzentration im Auto um ein Vielfaches höher ist als im Freien“, betonte Mortler weiter.

Die Deutsche Krebshilfe begrüßte den Vorstoß Mortlers. Denn Kinder seien besonders betroffen, wenn geraucht werde, sagte der Vorstandsvorsitzende Gerd Nettekoven im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Rauchverbot sollte sowohl für herkömmliche Tabakwaren als auch für elektronische Inhalationsprodukte (E-Zigarette) gelten, schlug Nettekoven vor.

Er wies darauf hin, dass passives Inhalieren von Tabakrauch die sich entwickelnde Lunge schädige und für Kinder ein erhöhtes Risiko für Atemwegsbeschwerden und -erkrankungen sowie für Mittelohrentzündungen berge. Nicht zuletzt könne es auch zu Lungenkrebs führen.

Ein Rauchverbot im Auto wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg dahin, dass die Gesundheit der Kinder geschützt wird. „Wird solch ein Verbot verletzt, ist es hoheitliche Aufgabe, dies entsprechend zu ahnden“, erklärte Nettekoven weiter. Für seine Organisation stehe der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Vordergrund. „Dazu trägt ein solches Rauchverbot im Auto bei, weil es Klarheit bringt.“ Studien zeigten, dass es eine wachsende Unterstützung innerhalb der Bevölkerung für diese und weitere Maßnahmen zum Schutz vor Tabakrauch gebe, merkte er an.

Unterstützung erhielt Mortler auch von Krebsspezialisten und Ärzten. Besonders im Auto seien Kinder den gefährlichen Substanzen des Tabakrauchs schutzlos ausgeliefert, sagte der Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Ulrich Fegeler. „Die Belastung in einem Auto kann man gut vergleichen: Nur eine einzige Zigarette hat dieselbe Belastung, wie wenn man einen Tag lang auf der dicht befahrensten Straße in Berlin stehen würde.“

Das Passivrauchen in einem derartig engen Raum könnte dem Wachstum von Kindern und Jugendlichen nachhaltig schaden. „Selbst wenn Fenster oder Schiebedach geöffnet werden, ist die Gefahr für Kinder und Jugendliche immens“, erklärte Fegeler. „Wir unterstützen die Forderung deshalb ausdrücklich“. Auch bei geöffnetem Fenster könnten im Auto ähnliche Werte wie in einer Raucherkneipe gemessen werden, resümierte die Krebsexpertin Martina Pötschke-Langer in einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

Für den Deutschen Zigarettenverband ist ein Verbot überflüssig: Es gebe kein Informationsdefizit, deshalb sei die Forderung zum Schutz von Minderjährigen haltlos. „Mündige Bürger können das selbst entscheiden, ohne dass es dafür eines staatlichen Verbotes bedürfte“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Jan Mücke.

Eine entsprechende Anti-Raucher-Regelung tritt in Großbritannien am 1. Oktober in Kraft. Ab dann kostet Rauchen im Auto umgerechnet 85 Euro Bußgeld – vorausgesetzt, man wird erwischt. In Griechenland sind die Sanktionen gegen Raucher im Auto noch deutlich drastischer: Seit Herbst 2010 muss ein Autofahrer dort 1500 Euro Bußgeld bezahlen, falls in seinem Auto geraucht wird, wenn Kinder unter 12 Jahren mit im Fahrzeug sitzen – egal, ob er selbst raucht oder ein Mitfahrer zur Zigarette greift. In öffentlichen Beförderungsmitteln, Busse oder Taxis, wird ein solches Verhalten sogar noch drastischer geahndet: Dort sind dann 3000 Euro Strafe fällig.

Überlegungen ähnlicher Art gibt es auch in Frankreich und Italien. In Australien, Kanada, Südafrika und den USA gilt bereits ein Rauchverbot im Auto, sobald ein Kind mitfährt.

In Großbritannien hatten vor Verabschiedung der Neuregelung unter anderem rund 600 Gesundheitsexperten zuvor an Abgeordnete appelliert, das Rauchverbot in Autos auf den Weg zu bringen, berichtete die Zeitschrift „Stern“. Passivrauchen sei einer der „Hauptgründe für Gesundheitsbeeinträchtigungen bei Kindern“, hieß es in dem Appell. Es schädige die Lunge gerade bei Heranwachsenden, verursache jedes Jahr Tausende von Krankenhauseinweisungen und führe schlimmstenfalls zum plötzlichen Kindstod - vor allem sozial benachteiligte Kinder seien häufig betroffen.

Dass Passivrauchen, gerade für die Kleinsten, alles andere als harmlos ist, darauf hat bereits das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg hingewiesen: Bei Kindern rauchender Eltern träten häufiger akute und chronische Atemwegserkrankungen auf als bei Kindern von Nichtrauchern, so das Magazin weiter. „Rauchen im Beisein von Kindern erfüllt den Tatbestand der Körperverletzung“, kritisierte die Stiftung Kindergesundheit. Es schädige nachhaltig das empfindliche kindliche Lungengewebe, auch Mittelohrentzündungen und Hirnhautentzündungen kämen öfter vor.(mit epd/dpa)