Kolumne: Berliner Geflüster "Ich kandidiere nicht" - Bittere Absage von Phantom-Genosse Mierscheid

Eine Kolumne von Tobias Schmidt | 07.06.2019, 14:10 Uhr

Was für eine rabenschwarze Woche für die SPD. Als Andrea Nahles am Sonntag ihren Rücktritt ankündigt, weilt ihr Sprecher Ali von Wangenheim zum Kurzurlaub in New York. Dass er am Montag bei der Vorstellung der Interims-Troika arg mitgenommen aussah, lag also auch ein wenig am Jetlag.

Am Dienstagabend dann die traditionelle Spargelfahrt der SPD-Seeheimer auf dem Wannsee. Trotz der verblüffend emotionalen Rede von Vizekanzler Olaf Scholz, der plötzlich zum "Unterhaken" aufrief, war die Stimmung an Bord mies. Die "Havel Queen" legte frühzeitig wieder an.

Seeheimer-Chef Johannes Kahrs hatte zuvor vorgeschlagen, auch Nicht-Mitglieder sollten den künftigen SPD-Chef und/oder die Chefin wählen dürfen. Die eigentliche Frage muss lauten: Sollten auch Nicht-Mitglieder kandidieren dürfen?

Denn ob es nun am ruppigen Umgang mit Nahles liegt oder am ungebremsten Umfragen-Absturz: Bei der Suche nach einem Nahles-Nachfolger in den eigenen Reihen gehen alle sofort in Deckung. Von Scholz mag man das erwartet haben. Dass sich aber selbst Phantom-Genosse Jakob Maria Mierscheid, eine legendäre Kunstfigur der SPD-Bundestagsfraktion, nicht traut, war ein weiterer Tiefschlag. Auf Twitter teilte Mierscheid unmissverständlich mit: "Nein, ich kandidiere nicht für den Parteivorsitz."

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