Hogesa-Kundgebung Anmelder sagt Hooligan-Demo in Hamburg ab

Von Karsten Frei | 30.10.2014, 17:44 Uhr

Eine geplante Demonstration von Hooligans in Hamburg findet nach Polizeiangaben nicht statt. „Der Anmelder hat die Versammlung abgesagt“, erklärte ein Polizeisprecher. Gründe für die Absage der Demo unter dem Motto „Europa gegen den Terror des Islamischen Staates“ wurden nicht genannt.

Allerdings gibt es Hinweise auf Streit innerhalb der Szene. Am Sonntag war es bei der Demo „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) in Köln zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen.

Eine Privatperson hatte die für den 15. November geplante Demonstration in Hamburg angemeldet, diese aber nun ohne Angaben von Gründen zurückgezogen. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei Hamburg auf Nachfrage unserer Redaktion. Zuvor war in der Hansestadt wie auch in Berlin, über das Vorgehen im Umgang mit geplanten Hooligan-Demonstrationen diskutiert worden. Wegen befürchteter Ausschreitungen hatte die Polizei Anfang der Woche erklärt, sie prüfe „als allerletztes rechtliches Mittel“ auch ein Verbot der Veranstaltung . Nach Straßenschlachten bei einer Kundgebung der Gruppe „Hooligans gegen Salafisten“ am vergangenen Wochenende in Köln hatte sich auch die Hamburger Polizei auf einen Großeinsatz eingestellt.

Zuvor hatte die Polizei das Gespräch mit dem Anmelder der Demonstration in der Hansestadt gesucht, wie tagesschau.de berichtet . Darin hätten die Beamten ihm offensichtlich klar gemacht, dass er als Veranstalter die Verantwortung trage, falls die Demonstration in Gewalt ausarte. Die Gefahr bestand durchaus: Weil linke und antifaschistische Gruppierungen offensiv für eine große Gegendemonstration mobilisierten – und trotz der Absage immer noch tun – war das Konfliktpotenzial in Hamburg durchaus gegeben. Das „Hamburger Bündnis gegen Rechts“ will ungeachtet des Rückzugs der Hooligan-Demonstration am 15. November auf die Straße gehen. Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Menschenfeindlichkeit und Rassismus – in Hamburg ist kein Platz für Nazi-Hooligans“ beginnt die Demonstration um 12 Uhr an der Sternschanze.

Streit unter Hogesa-Anhängern

Im Vorfeld der Absage hatte es offensichtlich Streit unter den Hooligans gegeben. Ein bekannter Neonazi und führender Hooligan aus Hamburg schrieb auf Facebook, dass die Hamburger Aktionsgruppe von „Hooligans gegen Salafisten“, die auch in Köln vor Ort war, aufgelöst sei. „Aus unserer Sicht wird die Aktion ‚Hooligans gegen Salafisten‘ selber von uns kaputt gemacht. Wir sind raus aus eurer Sache und unterstützen so einen Wahnsinn der gerade passiert nicht mehr mit.“ Grund sind einerseits politische Differenzen, schreibt der Hooligan aus dem Umfeld der Hamburger SV-Fanszene. „Jetzt, nach Köln, kommen die ganzen politischen NPD und bürgerlichen rechten Dauerversager aus ihren Löchern und meinen sie können die Aktion „Hooligans gegen Salafisten“ für ihre eigenen Zwecke benutzen und missbrauchen.“

Doch auch Sorge vor Auseinandersetzungen mit der autonomen Szene in Hamburg spaltet die Hogesa-Unterstützer. Auch der Hamburger Hooligan warnt: „Ihr habt doch überhaupt keine Ahnung davon was hier in Hamburg los ist, wenn der FC Sankt Pauli und seine Antifa Szene in Hamburg gegen euch mobilisiert“. Die autonome Szene ist in Hamburg besonders aktiv, was am 1. Mai jeden Jahres regelmäßig zu Auseinandersetzungen mit der Polizei führt.

Mobilisierung geht weiter

Trotz der Absage allerdings wird weiter mobilisiert. Bis dahin hatten mehr als 6000 Teilnehmer ihre Teilnahme an der Demo in Hamburg angekündigt. Auf Twitter wird dem einstigen Veranstalter sein Rückzug übel genommen, Mitglieder der Szene schimpfen über den „feigen Ex-Kameraden der in Hamburg den Schwanz eingezogen hat!“. Und kündigen an, dennoch am besagten Tag in die Hansestadt fahren zu wollen. Auch auf der „offiziellen“ Hogesa-Website ist der 15.11. weiterhin als Termin der Demonstration genannt. Die Absage wird als Falschmeldung tituliert. Entsprechend wachsam sind die Sicherheitsbehörden. „Wir beobachten die Lage sehr genau“. erklärte ein Polizeisprecher.

Die Hooligan-Szene will auch in Berlin gegen Islamisten auf die Straße gehen . Laut Behörden wurde für den 15. November eine Kundgebung mit rund 1000 Teilnehmern am Brandenburger Tor angemeldet.

Im Zentrum von Köln hatte es am Wochenende bei einer Demonstration von rund 4800 Hooligans, Neonazis und Rechtsextremisten Straßenschlachten mit der Polizei gegeben. Dabei wurden 49 Beamte verletzt.

(Mit dpa)