Hilfefonds vor Aufstockung Ehemalige Heimkinder: Mehrbedarf von 183 Millionen Euro

Von Uwe Westdörp | 28.02.2015, 06:30 Uhr

Auch ehemalige Heimkinder im Westen können damit rechnen, dass der Fonds zu ihrer Unterstützung deutlich aufgestockt wird. Nachdem die Geldgeber grundsätzlich zahlungsbereit sind, zeichnet sich jetzt eine Aufstockung von 120 Millionen auf über 300 Millionen Euro ab.

Der Mehrbedarf aufgrund hoher Antragszahlen belaufe sich auf 183 Millionen Euro. „Dieser Betrag ist an die Errichter des Fonds herangetragen worden“, sagte Sven Quittkat von der Diakonie Niedersachsen im Gespräch mit unserer Redaktion. Quittkat ist Vorsitzender des Beirats der niedersächsischen Anlauf- und Beratungsstellen in Hannover. Nach seinen Angaben hat die evangelische Kirche bereits signalisiert, ihren Anteil am Mehrbedarf leisten zu wollen. Der Fonds für ehemalige Heimkinder wird je zu einem Drittel vom Bund, den westdeutschen Ländern und den beiden großen christlichen Kirchen finanziert. Details der Aufstockung werden zurzeit geklärt. Das Bundesfamilienministerium hat eine Regelung bis zum Sommer in Aussicht gestellt .

Am Mittwoch hatte das Bundeskabinett bereits den Weg für eine Aufstockung des Fonds für ehemalige DDR-Heimkinder frei gemacht. Nachdem der Bund und die ostdeutschen Länder anfangs mit 40 Millionen Euro kalkuliert hatten, stehen nun bis 364 Millionen Euro zu Verfügung.

Beide Fonds unterstützen Opfer, denen während ihrer Heimerziehung Leid und Unrecht widerfahren ist und die bis heute unter den Folgen leiden. In den alten Bundesländern geht es um die Zeit von 1949 bis 1975, im Osten um die Jahre 1949 bis 1990.

Im Westen sind (Stand 18.2.) bereits 93 Millionen Euro) ausgezahlt worden. Bei der Geschäftsstelle des Fonds gingen bis zum Ablauf der Antragsfrist Ende 2014 insgesamt 23664 Vereinbarungen mit Opfern ein: 17694 betrafen materielle Leistungen, 5970 Rentenersatzleistungen. Allein in Niedersachsen wurden 3487 Vereinbarungen getroffen.

Auch alle Antragsteller, die noch auf Hilfen warten, können laut Quittkat davon ausgehen, dass sie Unterstützung bekommen. Er kritisierte allerdings, dass die Bearbeitung der Anträge oft sehr lange dauere, „ein halbes Jahr und länger“.