Günther kritisiert Noteninflation Nord-Länder dringen auf Bildungsreformen

Von Burkhard Ewert und Ralf Geisenhanslüke | 03.06.2018, 09:00 Uhr

Die Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg Vorpommern haben an ihre Kollegen der übrigen Länder appelliert, das deutsche Bildungssystem rasch und deutlich zu vereinheitlichen. In einem gemeinsamen Interview mit unserer Redaktion sahen sie an gleich mehreren Stellen dringenden Handlungsbedarf.

„Es ist nicht überzeugend, dass der Wechsel von einem Bundesland ins andere zu Familiendramen führen kann. Da müssen wir als Ministerpräsidenten unsere Kultusminister und -senatoren ermutigen, schneller dafür zu sorgen, dass es bei aller Vielfalt vergleichbare Standards und geschmeidigere Übergänge gibt“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) im Interview mit unserer Redaktion.

Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther macht den Wettbewerb der Schulsysteme maßgeblich für eine Inflation guter Noten verantwortlich. „Im Moment ist unser Bildungsföderalismus so ausgestaltet, dass es sich lohnt, möglichst gute Noten zu geben und nicht möglichst gute Leistungen zu erbringen“, sagte der CDU-Politiker. „Wenn man die Studienplatzvergabe an gute Noten knüpft, hat jedes Land ein Interesse daran, dass der Notendurchschnitt seiner Schüler besonders gut ist. Ob die Leistung besonders gut ist, spielt eine geringere Rolle.“

Einheitliche Standards

Günther plädierte für einheitliche Standards. Einheitliche Strukturen seien hingegen schwieriger umzusetzen. „Länder, deren Schüler und Bildungssysteme vergleichsweise gut abschneiden, werden niemals ihre Hand dafür heben, wenn man sich auf ein System verständigt, das aus deren Sicht schlechter ist. Besser wäre also der Weg, gemeinsame Standards für etwa Abschlussprüfungen festzulegen. Auf diesen Weg sollte man sich machen.“

Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) rief den Bundesrat auf, der weitgehenden Abschaffung des Kooperationsverbotes zuzustimmen. „Jetzt müssen wir endlich handeln. Ich meine, dass die Lockerung des Kooperationsverbots dringend kommend muss“, sagte die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und frühere Bundesfamilienministerin.