Grausame Hinrichtung in Arizona Zwei Stunden Todesqualen

24.07.2014, 20:51 Uhr

Eine weitere grausame Hinrichtung in Arizona heizt die Debatte über die Todesstrafe weiter an. Joseph Wood musste zwei Stunden leiden bevor ihn ein unerprobter Giftcocktail tötete.

Dale Baich hat als Strafverteidiger schon mehr als eine Hinrichtung miterlebt. Was sein Mandant, ein verurteilter Doppelmörder, durchmachen musste, hatte er in seiner langen Karriere noch nicht gesehen. Baich wurde Zeuge einer der längsten und vermutlich qualvollsten Exekutionen in der Geschichte der Todesstrafe in den USA.

Das medizinische Team der Justizvollzugsanstalt verabreichte Wood um kurz vor zwei Uhr nachmittags das bei Operationen eingesetzte Betäubungsmittel „Midazolam“. Anschließend floss Hydromorphon in die Adern des Todeskandidaten. Dabei handelt es sich um eine unerprobte Kombination aus Pharmaka, gegen die Woods Anwälte schon vor der Hinrichtung geklagt hatten.

„Er lebt immer noch“, intervenierten Baich und seine Kollegen beim zuständigen Berufungsgericht eine Stunde nach Beginn der Prozedur gegen 15 Uhr. Wood schnaubte und rangin seinem Todeskampf um Luft. Reporter, die als Augenzeugen dabei waren, zählten mehr als 600 Luftschnapper. In der Eil-Petition heißt es, der von Artikel 8 der USVerfassung versprochene Schutz vor „grausamer oder ungewöhnlicher Bestrafung“ werde verletzt. Eine paralleler Notruf beim „Supreme Court“ führte ebenfalls nicht zu einem Abbruch. Genauso wenig wie ein Antrag beim Staatsgericht von Arizona. Um 15 Uhr 49 erklärte die Justiz Wood für tot.

Der Direktor der Justizvollzugsanstalten in Arizona, Charles Ryan, sagte, die Zeit für eine Hinrichtung hänge „von der jeweiligen Person ab“. Er könne versichern, dass „der Gefangene im Koma war und keine Schmerzen erlitt“. Die Sprecherin des Chefanklägers von Arizona, Stephanie Grisham, bestritt die Augenzeugenberichte über die hundertfache Schnapp-Atmung. Ihre Erklärung: „Er hat geschnarcht.“ Doch Verteidiger Baich bleibt dabei.

Die Verantwortlichen hätten es angesichts zweier anderer verpfuschter Exekutionen mit Midazolam und Hydromorphon im Januar in Ohio und im April in Oklahoma besser wissen müssen. In beiden Fällen quälten sich die Delinquenten unter Schmerzen zu Tode. „Das war komplett vermeidbaren Horror“. So sehen es auch Gegner der Todesstrafe, die auf ein Moratorium drängen.Angesichts der massiven Kritik sagte Gouverneurin Jane Brewer eine Untersuchung zu. Arizona gehört zu den Bundesstaaten, die dank des Lieferstopps der früher eingesetzten Pharmaka aus Europa keine brauchbaren Bestände mehr haben. Viele der 32 Bundesstaaten mit Todesstrafe erwägen nun Alternativen. Tennessee hat den elektrischen Stuhl wieder eingeführt, während andere darüber nachdenken, die Gaskammer, das Schießkommando oder den Galgen zu reaktivieren.