Grausame Hinrichtung in Arizona „Humane“ Todesstrafe: Abstoßende Debatte

Meinung – Melanie Heike Schmidt | 24.07.2014, 20:58 Uhr

Die USA haben zunehmend Probleme, bei Hinrichtungen die benötigten tödlichen Gifte zu beschaffen. Manche Staaten greifen zu höchst umstrittenen Substanzen. Das kann zu einem extrem qualvollen Tod der Verurteilten führen – wie jetzt geschehen in Arizona. Dazu ein Kommentar.

Die US-Debatte über „humanes Hinrichten“ ist abstoßend. Ob Giftspritze, elektrischer Stuhl, Tod durch Gas, Erhängen, Erschießen – kein Mord ist human, auch kein staatlich vollzogener. Die Todesstrafe verstößt gegen Menschenrechte, sie widerspricht dem Schöpfungsgedanken, sie ist ein perverser Racheakt, mit dem sich die Staatsgewalt als nicht weniger schändlich offenbart als diejenigen, die sie zu bestrafen sucht.

Die EU-Grundrechtecharta fordert, sich für die Abschaffung einzusetzen. 2011 führte Brüssel eine vielfach gelobte Ausfuhrkontrolle für eine Zutat der US-Giftspritzen ein – auf Druck eines Gesundheitsministers namens Philipp Rösler. Nun fehlt den USA das Gift. Mit Folgen: Neue Cocktails bereiten den Delinquenten Todesqualen. Mancherorts wurden elektrische Stühle reaktiviert, die als besonders grausam gelten. Zwar verbietet das US-Recht grausame Bestrafungen – diskutiert wird darüber trotzdem, etwa, ob es nicht gerecht sei, wenn sehr brutale Mörder länger leiden.

In 32 von 50 US-Staaten gibt es die Todesstrafe. Vor allem Texas tut sich negativ hervor, hier wurden mit 500 Vollstreckungen seit 1976 mit Abstand die meisten Menschen getötet. Die Mehrheit der US-Bürger befürwortet dies. Dennoch darf die Kritik aus Europa nicht leiser werden. Jede einzelne Hinrichtung ist trauriger Anlass, diese Praxis erneut zu verurteilen.

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