Ghani siegt bei Präsidentenwahl Stimmauszählung in Afghanistan: Die größte Gefahr

Meinung – Franziska Kückmann | 08.07.2014, 11:03 Uhr

Als die Wähler in Afghanistan ihre Stimme abgaben, haben sie Krieg und Terror eine Absage erteilt und Demokratie eine Chance gegeben. Dass die Kandidaten der Stichwahl sich nun Betrug bei der Auszählung vorwerfen, untergräbt den demokratischen Prozess – und ist nicht im nationalen Interesse des Landes.

Bewundernswerten Mut haben die Millionen Afghanen bewiesen, die bei der Präsidentenwahl ihre Stimme abgaben. Sie trotzten den Drohungen der Taliban und dem resignierten Abwinken aus dem Westen. Dass nun der Verdacht massenhafter Fälschungen die Auszählung der Stichwahl überschattet, ist ein Schlag ins Gesicht jener Menschen, die auf einen demokratischen Prozess vertraut haben.

Beide Kandidaten des Kopf-an-Kopf-Rennens, Abdullah Abdullah und Aschraf Ghani, prangern Wahlbetrug der jeweils anderen Seite an und verringern so die Chance auf einen friedlichen Machtwechsel. Es wäre der erste in der Geschichte des Landes, und er hätte daher die große Symbolkraft zu zeigen, dass sich Afghanistan auf dem richtigen Weg befindet. Stattdessen droht eine neue, gefährliche Krise, sollten die politischen Konkurrenten das Wahlergebnis nicht anerkennen.

Das Drama um die Präsidentenwahl zeigt, dass derzeit nicht von den Taliban die größte Gefahr für die Zentralregierung in Kabul ausgeht. Es ist vielmehr die von Korruption zerfressene politische Elite, die der Regierung durch Manipulationen und Machtversessenheit die Legitimität abzusprechen droht. Ohne Zweifel sind es aber die Extremisten, die von einer schwachen Zentralregierung profitieren. Und davon, dass sich die Menschen von Kabul abzuwenden drohen – enttäuscht vom Versuch, Demokratie zu wagen.