Gespräch mit irrtümlich inhaftierten Pakistaner Nach Bericht über Schläge: Berliner Polizei weist Vorwürfe zurück

Von Cornelia Achenbach | 30.12.2016, 08:02 Uhr

Der nach dem Berliner Weihnachtsmarkt-Anschlag irrtümlich festgenommene Pakistaner Navid B. hat in einem Gespräch mit der britischen Tageszeitung „Guardian“ heftige Vorwürfe gegen die Polizei Berlin erhoben – diese weist den Artikel jedoch als „falsch und ohne Substanz“ zurück.

Laut dem Bericht habe Navid B. gerade das Haus eines Freundes verlassen und nur versucht, schnell die Bahn zu erreichen, als er von der Polizei gestoppt wurde. Man habe ihm die Hände gefesselt, ihn zu einer Polizeistation gebracht und später am Abend mit verbundenen Augen weitertransportiert. Zwei Polizeibeamte hätten ihre Fersen in seine Füße gebohrt, ein anderer mit der Hand Druck auf seinen Nacken ausgeübt. Dann hätten sie ihn ausgezogen und Fotos gemacht. „Als ich mich versuchte, mich zu wehren, begannen sie mich zu schlagen“, wird Navid B. zitiert. Seit seiner Verhaftung leide er unter Schlafstörungen.

Nicht in der Lage, ein Auto zu fahren

Dabei habe er den Beamten ruhig erklärt, dass er gar kein Fahrzeug fahren könne, dass er nicht mal in der Lage sei, eins zu starten. „Ich habe ihnen erzählt, dass in meinem Land Tod und Krieg herrscht, dass dies der Grund sei, warum ich hier hergekommen bin“, sagt der Pakistaner. „Ihr in Deutschland versorgt uns mit Nahrung, medizinischer Hilfe und Sicherheit. Ihr seid wie meine Mutter. Wenn ihr herausfindet, dass ich solche Dinge in eurem Land getan haben sollte, dann dürft ihr mir keinen einfachen Tod gewähren, dann sollt ihr mich langsam aufschneiden“, heißt es in dem Artikel des Guardian.

Familie in Pakistan in Gefahr

Navid B. verließ Pakistan, da er einer Bewegung angehört, die Unabhängigkeit für die Region Belutschistan fordert – einer armen Region, die jedoch reich an Bodenschätzen ist. Seit seiner Festnahme fürchtet er um das Leben seiner Familie, die noch in Pakistan lebt. Einige seiner Cousins seien bereits umgebracht worden, da sie derselben Bewegung angehören. Auch Navid B. selbst fühlt sich in Deutschland nun nicht mehr sicher. Die Polizei habe ihm gesagt, sein Leben sei in Gefahr, wenn er in seine bisherige Flüchtlingsunterkunft zurückkehre. Daher ist er derzeit an einem geheimen Ort untergebracht, wo er von der Polizei versorgt wird und die er informieren muss, wenn er diese verlassen möchte.

„Person wurde an keiner Stelle Schaden zugefügt“

Die Polizei Berlin weist den Bericht des Guardian jedoch als „falsch und ohne Substanz“ zurück: „Dieser Person ist an keiner Stelle bei der Polizei Berlin Schaden zugefügt oder Gewalt angetan worden“, teilte Winfrid Wenzel, Sprecher der Polizei Berlin, unserer Redaktion telefonisch mit. Als „unverantwortlich“ bezeichnete er die Arbeit des Guardian. Man stehe in engem Kontakt mit Navid B., der selbst überrascht über den Artikel gewesen sein solle. Möglicherweise hätten sprachliche Probleme zu Missverständnissen mit den Journalisten geführt. Fest stehe jedenfalls, dass das Verhältnis zwischen der Berliner Polizei und dem irrtümlich Inhaftierten ein sehr vertrauensvolles sei.

Weiterlesen: Mehrheit der Deutschen für mehr Videoüberwachung