„Gesetz gegen Korruption verschärfen“ Brysch fordert besseren Schutz vor Pharmafirmen

Von Dr. Christof Haverkamp, Christof Haverkamp | 11.03.2016, 06:30 Uhr

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert, den derzeitigen Entwurf des Antikorruptionsgesetzes im Gesundheitswesen zu verschärfen.

Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Vorstand Eugen Brysch: „Jeder Patient muss darauf vertrauen können, dass seine bestmögliche Therapie im Vordergrund steht, wenn ihm ein Medikament verordnet wird.“ Wenn allerdings 1,7 Millionen Patienten in der Regel ohne ihr Wissen an Anwendungsbeobachtungen beteiligt würden, könne das bezweifelt werden.

Die Pharmaindustrie zahlt nach einem Medienbericht jährlich etwa 100 Millionen Euro an Ärzte für die Mitarbeit an solchen umstrittenen Studien. Das geht aus Recherchen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ mit dem Recherchezentrum Correctiv.org hervor. Dabei handelt es sich laut Wissenschaftlern größtenteils um Scheinstudien mit Patienten, die vor allem dazu dienen, den Umsatz von bestimmten Medikamenten zu fördern. Die Journalisten hatten alle in Deutschland gemeldeten sogenannten Anwendungsbeobachtungen von 2009 bis 2014 ausgewertet. Grundlage der Recherche waren Meldungen zu mehr als 1300 Anwendungsbeobachtungen, die die Pharmaunternehmen an die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) übermittelt haben. 2014 haben rund 17000 Ärzte an sogenannten Anwendungsbeobachtungen teilgenommen und dafür im Schnitt 669 Euro pro Patient bekommen. Seit 2009 flossen durchschnittlich etwa 100 Millionen Euro an Honoraren für die Übermittlung von Daten zu rund 1,7 Millionen Patienten. Der Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Jürgen Windeler, bezeichnete diese Studien gegenüber dem ARD-Magazin „Panorama“ als „wissenschaftlich wertlos“.

„Patienten sind weiterhin ein Spielball der Profitinteresse der Pharmaindustrie“

Der derzeitige Entwurf des Antikorruptionsgesetzes biete keinen ausreichenden Schutz, sagte Brysch. „Die Patienten sind weiterhin ein Spielball der Profitinteressen der Pharmaindustrie und der Ärzte.“ So seien die angedachten Regelungen zur Anwendungsbeobachtung „butterweich“, erklärte der Patientenschützer. „Sie lassen einen breiten Ermessensspielraum zu, der am Ende zulasten der Patienten geht.“

Wo anwendungsorientierte Studien weiterhin notwendig seien, müsse der Gesetzgeber hierfür klare Regeln festlegen, sagte Brysch Patienten müssten vorab informiert werden und schriftlich zustimmen. Die Studien dürften nur nach vorheriger Prüfung und Genehmigung durch die Bundesbehörde stattfinden. Darüber hinaus gelte es, alle wesentlichen Informationen zu den Studien in einer Datenbank öffentlich zu machen. (mit dpa)