Gedenkstätte Yad Vaschem Schon 4,3 Millionen Namen: Holocaust-Forschung nimmt kein Ende

Von dpa | 27.01.2015, 06:30 Uhr

Die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem bezeichnet sich selbst als das „Weltzentrum der Dokumentation des Holocausts“: In dem Museum in Jerusalem wird der Völkermord dokumentiert und erforscht. Auch 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz ist die Arbeit der Historiker in der Gedenkstätte noch nicht abgeschlossen. Dazu einige Fragen und Antworten

Kennt man heute alle Namen der Opfer? Nein. Yad Vashem hat seit 1954 eine zentrale Datenbank , in der Namen und biografische Daten von Holocaust-Opfern gesammelt werden. Aktuell sind darin 4,3 Millionen Menschen verzeichnet, rund 500 000 von ihnen starben in Auschwitz. Etwa 40 Mitarbeiter arbeiten daran, weitere Opfer zu identifizieren und in die Datenbank aufzunehmen.

Warum ist die Dokumentation der Namen so schwierig? „Viele Verbrechen sind nicht exakt dokumentiert“, sagt Dr. Alexander Avram, Direktor der „Halle der Namen“. Manchmal hielten die Nazis zum Beispiel fest, wie viele Menschen in einem Todestransport waren, nicht aber die Namen der Deportierten. Besonders schlecht ist die Quellenlage im KZ Auschwitz, weil die SS viele Akten vor dem Eintreffen der Roten Armee vernichtete. Auch in Polen, Rumänien und Weißrussland ist die Aktenlage dünn. Die Mitarbeiter von Yad Vashem bemühen sich nicht nur um Einsicht in die Archive, sondern befragen auch Angehörige von Opfern. Die Gedenkstätte hofft, so bis zu 5 Millionen Opfer namentlich dokumentieren zu können. (Weiterlesen: Das hat Auschwitz Opfern aus der Region angetan)

Wann wird der Holocaust vollständig erforscht sein? „Die Erforschung des Holocaust wird noch sehr viele Jahrzehnte dauern“, sagt Dr. David Silberklang, Historiker am Internationalen Institut für Holocaust-Forschung in Yad Vashem. Besonders über kleine jüdische Gemeinden in Osteuropa wisse man noch nicht genug. „Was genau ist den Menschen dort widerfahren? Welche Möglichkeiten hatten sie, sich zu retten?“, fragt Silberklang. Weitere Projekte konzentrierten sich darauf, herauszufinden, an welchen Orten Massenerschießungen stattfanden. 1500 solcher Stellen hat Yad Vashem bereits dokumentiert. Außerdem versuchen die Forscher, genaue Informationen über alle Transporte von Juden zu bekommen. (Weiterlesen: Todeslager Auschwitz: Das Symbol des Grauens)

Welche neuen Erkenntnisse gibt es? Jüngst wurde erforscht, wie viele Juden Zwangsarbeit leisten mussten. Die hohe Zahl hat die Forscher überrascht. Silberklang zufolge hat es „keine jüdische Familie in Osteuropa gegeben, die nicht davon betroffen war“. Überrascht waren die Forscher auch davon, wie sehr sich Einheimische, aber auch deutsche Zivilverwaltungen in Osteuropa an dem Massenmord an Juden beteiligt hatten.

Wie viele Holocaust-Überlebende gibt es noch? Es wird geschätzt, dass mehrere Millionen Menschen zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten aus rassistischen, religiösen, ethnischen oder politischen Gründen verfolgt, vertrieben oder diskriminiert wurden. In den USA leben Medienberichten zufolge rund 120 000 Holocaust-Überlebende. In Israel sind noch 180 000 am Leben, etwa 30 000 von ihnen haben ein Konzentrationslager oder Ghetto überlebt.