Franziskus für mehr Umweltschutz Öko-Enzyklika: Papst löst heftige Reaktionen aus

Von Christof Haverkamp | 18.06.2015, 07:36 Uhr

Papst Franziskus wird in seiner Umweltenzyklika „Laudato si“ deutlich: Die Erde ist eine Müllhalde, das Verhalten der Menschen „selbstmörderisch“: Heftig tadelt der Papst die Wegwerfgesellschaft, Umweltzerstörung und globale Gleichgültigkeit.

Es sind deutliche Worte, mit denen Papst Franziskus den gegenwärtigen Zustand der Welt beschreibt: „Niemals haben wir unser gemeinsames Haus so schlecht behandelt und verletzt wie in den letzten beiden Jahrhunderten.“ Heftige Kritik am Lebensstil, an Konsumrausch und Umweltzerstörung ziehen sich durch die Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ (Gelobt seist du). Benannt ist das Schreiben nach den ersten Worten des Sonnengesangs des heiligen Franz von Assisi. Es löste weltweit heftige Reaktionen aus: Klimaschützer und Wissenschaftler fühlen sich bestätigt. In den USA gab es Kritik von konservativen Kreisen. Bewusst stellt der Papst ökologische und soziale Probleme in Zusammenhang. Den Einsatz für die Umwelt und für die Armen betrachtet er stets als Einheit. Wer ökologisch denkt, mus nach Auffassung von Papst Franziskus auch Abtreibungen verurteilen.

Die Papst-Enzyklika „Laudato si“: Das steht in den sechs Kapiteln

Schon in der Einleitung formuliert der Papst die zentralen Themen. Er prangert die Zerstörung des Planeten an und stellt sie in Zusammenhang mit der Ungerechtigkeit gegenüber den Armen. Er betrachtet ökologische und soziale Probleme als Einheit. Darum geht es:

•Im ersten Kapitel blickt der Papst auf aktuelle Umweltprobleme und verweist auf das Müllproblem und die Wegwerfkultur, den Klimawandel, die Wasserknappheit und den Verlust der Artenvielfalt.

•Im zweiten Kapitel geht es um die christliche Schöpfungstheologie.

Kapitel drei befasst sich mit der menschlichen Wurzel der Umweltkrise und dem Umgang mit der Technik. Hier steht auch ein kurzer Satz, in dem es heißt. dass man nicht gleichzeitig für die Umwelt und die Abtreibung sein könne.

•Im vierten Kapitel stellt der Papst seinen Lösungsansatz, die „ganzheitliche Ökologie“, vor. Der gegenwärtige Lebensstil könne nur in Katastrophen enden.

Kapitel fünf enthält Leitlinien für die Orientierung und Handlung. Zu den Vorschlägen gehört der Verzicht auf Kohle für die Energiegewinnung. Lobend äußert sich Franziskus zur Ökologiebewegung, kritisch setzt er sich mit Umwelt-Gipfeltreffen auseinander.

•Im sechsten Kapitel geht es um ökologische Erziehung und Spiritualität.

Wichtige Zitate aus der Öko-Enzyklika

•„Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln.“

• „Der Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil nur in Katastrophen enden kann.“

•„Die Unterwerfung der Politik unter die Technologie und das Finanzwesen zeigt sich in der Erfolglosigkeit der Weltgipfel über Umweltfragen.“

•„Wir wissen, dass das Verhalten derer, die mehr und mehr konsumieren und zerstören, während andere noch nicht entsprechend ihrer Menschenwürde leben können, unvertretbar ist.“

 Die Reaktionen: Das sagen Minister, Bischof Bode und andere Kirchenvertreter 

In Deutschland war das Echo gestern durchweg positiv.

•Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) lobte die Geradlinigkeit des Dokuments.

•Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sprach von einem „Weckruf“.

•Nach Ansicht des  Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode  behandelt der Text „mutig und eindrucksvoll zentrale Fragen der Menschheit“. Deutlich benenne Franziskus die menschlichen Wurzeln der Missstände. „Die enge Beziehung zwischen der Anfälligkeit unseres Planeten und der Armut und des elends in der Welt fordert den Papst heraus, die Menschheit auf einen neuen DIalog über die Zukunft einzuschwören.“

•Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, betonte, der Papst schlage trotz aller vorhandener Probleme einen positiven Ton an.

•Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, wünschte dem Text „von Herzen eine breite internationale Aufmerksamkeit“

Zuvor hatte sich bereits Grünen-Fraktionschef  Anton Hofreiter  im Gespräch mit unserer Zeitung positiv geäußert.

Im US-Präsidentenwahlkampf könnte die Umwelt-Enzyklika ein Stolperstein für die Republikaner werden, die dem Klimawandel eher skeptisch gegenüberstehen. Drei der republikanischen Bewerber sind Katholiken: Jeb Bush, Marco Rubio und Rick Santorum. „Ich bekomme meine Wirtschaftspolitik nicht von meinen Bischöfen, Kardinälen oder dem Papst vorgeschrieben“, sagte Jeb Bush , kurz nachdem ein Entwurf der Enzyklika bekanntgeworden war. Er war 1995 zur katholischen Kirche übergetreten.

Vatikan-Server geht in die Knie

Unterdessen ging am Donnerstagnachmittag kurzzeitig der Vatikan-Server in die Knie. Die Adresse www.vatican.va war für einige Zeit nicht erreichbar.(Mit dpa, KNA und epd)