Fall Yukos Putins teurer Sieg

Meinung – Christian Schaudwet | 29.07.2014, 09:30 Uhr

Der Ständige Schiedshof in Den Haag hat Russland einen astronomisch hohen Schadenersatz für die früheren Großaktionäre des Ölkonzerns Yukos auferlegt. Es ist das richtige Signal an die russische Führung. Die Frage ist: Wie reagiert sie darauf?

Es fällt auf: Obwohl Yukos-Gründer Michail Chodorkowski seit sechs Monaten in Freiheit und außerhalb Russlands lebt, ist von dem einst scharfzüngigen Kreml-Kritiker wenig zu hören. Zumal in Zeiten, in denen die Wogen der internationalen Debatte über den Kurs der russischen Führung hochschlagen. Der einstige Herausforderer verhält sich still. Und wenn er sich äußert, dann mit großer Vorsicht.

Dem Kreml ist es gelungen, Chodorkowskis Ölkonzern Yukos zu zerschlagen und dessen wichtigste Bestandteile der russischen Staatswirtschaft einzuverleiben. Er hat die politische Karriere des Mannes im Keim erstickt, ihn zehn Jahre lang unter Verschluss gehalten und ihm danach ein Leben in Russland unmöglich gemacht. Ja, Wladimir Putin hat Michail Chodorkowski besiegt und an ihm ein Exempel für andere Oligarchen statuiert.

Aber dieser Sieg wird teuer: Eine Forderung über 50 Milliarden Dollar Schadenersatz dürfte selbst den Präsidenten der Russischen Föderation beeindrucken. Und ganz egal, ob diese die Summe je zahlen wird, zu der sie im Yukos-Fall nun verurteilt wurde – der Schiedsspruch selbst wirkt in der aktuellen Ost-West-Konfrontation wie eine zusätzliche Sanktion. Er drängt Russland weiter ins Abseits. Er zersetzt das Vertrauen internationaler Geldgeber in die darbende Wirtschaft noch mehr.

Der Haken dabei ist leider: Bei Verunsicherung neigt Putin dazu, noch radikaler zu handeln. Das zeigte schon der Fall Yukos.